Friedhofs-Visite in Freienohl

Wie wir unsere Verstorbenen ehren und achten
von Heinrich Pasternak

Kreutz

Diese Visite wird keine besinnliche Lesestunde sein. Vielmehr möchte diese möglichst gründliche Daten-Sammlung aus den Unterlagen, Akten im Freienohler Amtsarchiv im Alten Amtshaus, im Pfarr-Archiv unserer St. Nikolaus-Pfarrei im Pfarrhaus und im Erzbischöflichen Archiv Paderborn, im Stadtarchiv Arnsberg und in den angegebenen Quellen Anlass für eine über 200 Jahre lange Visite durch unser Zusammenleben möglich machen. Warum Visite? Weil eine Visite öfters gemacht wird. Weil eine Visite mehr ist als ein wiederholter Besuch.

Gliederung:

  1. Visite in der St. Nikolaus-Kirche.
  2. Visite auf dem ehemaligen Kirchhof, draußen um die Kirche herum.
  3. Visite auf dem Alten Friedhof, Totenhof, zwischen Pfarrhaus und Grundschule.
  4. Eine Visite auf dem Waldfriedhof, dem Neuen Friedhof, unterhalb des Küppels
    oder Auf ́m Hahn wird hier ausgespart

Vorbemerkungen

Andere Namen für Friedhof: Kirchhof, Totenhof, Gottesacker.

Wir sprechen von der

  • – “Ganz alten Kirche” bis 1753.
  • – “Alten Kirche” bis 1888,
  • – ab 1888 von der “Erweiterten, jetzigen Kirche”.
    Skizzen stehen im “Festbuch” 1753-2003 – 250 Jahre Pfarrkirche St. Nikolaus
    Freienohl, S. 25 oder in den beiden Ringbüchern „Kirchenführung durch unsere St.
    Nikolaus-Kirche“, die im Turm am Schriftenstand ausliegen.

Zu den Quellen-Angaben: AA und Nummer: zum Findbuch im Stadtarchiv = Amtsarchiv
der Stadt Meschede, hier immer Abteilung Freienohl; PfA und Nummer zum Findbuch =
Pfarr-Archiv St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl, Pfarrhaus, Findbuch auch im Stadtarchiv;
EBAP = Erzbischöfliches Archiv Paderborn, Generalvikariat Meinwerk-Haus.

Visite bei Verstorbenen in der St. Nikolaus-Kirche

Zunächst stichwortartig einige Grundinformationen:

Reliquien in der Pfarrkirche

Im Altar sind in einem ganz kleinen Gefäß noch kleinere Reliquien von zumeist einem
Heiligen aufbewahrt. Dieser Brauch ist eine hohe Auszeichnung für den Verstorbenen.
Reliquien sind sterbliche, besonders und ehrfürchtig aufgehobene leibliche Überreste hoch geachteter Christen.

Altar in der Kirche

Der Altar ist ein Symbol für Jesus Christus. Ein Symbol ist qualitativ mehr als ein Zeichen. Auf demAltar-Fuß (auch Stipes genannt) sind bildhaft in Stein gemeißelt ein Gebirge, Feuerflammen, in ihnen ein Kreuz. Das soll bedeuten die Geschichte von Mose, dem Führer des Alten Volkes Gottes, mit Gott, mit dem Namen Gottes am brennenden Dornbusch: Jahweh (dabei sind auch möglich diese eingedeutschten Schreibweisen: Jachwech, Jehovah): in der Einheitsübersetzung der Bibel steht dafür auf Deutsch: „Mein Name ist der ICH BIN DA“. Wer sich in der
Philosophie und Theologie des 13. und 14. Jahrhunderts auskennt, für den ist diese Übertragung sehr lebendig.

Noch viel lebendiger und erfahrungsreicher ist für Heutige
diese Übertragung genau so richtig: „Mein Name ist: Ich war immer für euch da – Ich bin immer für euch da – Ich werde immer für euch da sein!“ Der brennende Dornbusch “äußerlich” gesehen: ein Zeichen, ein Signal für das Alte Volk Gottes. Darin das Kreuz “innerlich” gesehen das Zeichen, das Signal für das Neue Volk Gottes, für die Christen, für Jesus Christus.

Bevor ein Altar in einer katholischen Kirche für die Eucharistiefeier benutzt wird, wird er
von einem Bischof geweiht: mit brennendem Feuer gereinigt als altes Zeichen für äußerste Reinheit (Reinheit ist qualitativ mehr als Sauberkeit), an den 4 Ecken sind je 1 Kreuz eingraviert, hinweisend auf alle vier Himmelsrichtungen, alles umfassend.

Die „Alte Kirche“ von 1753

Grundriss der Kirche

Die „Alte Kirche“ ist ein Neubau nach der „Ganz alten Kirche“; von Pfarrer Bartholdus Pöttgen: 1753, am 23. Juni. Einzelheiten zur Baugeschichte: „Festbuch“: 1753-2003: 250
Jahre Pfarrkirche St. Nikolaus Freienohl, S. 6 ff.) Das jetzige, künstlerisch sehr wertvolle Portal könnte gekauft worden sein vom damals „still gelegten“ Frauen-Kloster Odacker bei Hirschberg; denn gewichtige „Mitarbeiter“ von Pfarrer Pöttgen, der aus einer Mescheder BauFamilie stammt, kommen aus jener Gegend. – Der Durchgang durch dieses Portal ist nicht ohne Symbolik: aus dem Alltag des Dorflebens
über den Kirchhof, auf dem manche Familienmitglieder ruhen, hinein in das Gotteshaus, – oder umgekehrt.

Die Reliquien in der Alten Kirche waren von den 1.000, später sprach man von 11.000
Gefährtinnen der Hl. Ursula von Köln. – Warum diese Reliquien nicht mehr “verwendet” worden sind, war im Pfarrarchiv und im EBAP, im Erzbischöflichen Archiv Paderborn, nicht genau fest zu stellen. Wahrscheinlich war man – 1959 bei der Altar-Renovierung – von der Echtheit, Glaubwürdigkeit dieser Reliquien nicht so sehr überzeugt.

Die “neuen” Reliquien von 1959 im Hochaltar sind vom Hl. Candidus mit seinen
Gefährten. Candidus war römischer Offizier wie der Hl. Mauritius und der Hl. Exsuperius.
Mauritius war der Primicerius, der Anführer der Thebäischen Legion, die aus Afrika
stammte. Das Martyrium der drei Offiziere ereignete sich am 22 September zwischen 280
und 300 bei Agaunum / Martigny (St. Moritz) in der Schweiz. Der Kaiser Maximianus
Herkulius, ein wüster Christenverfolger und auch sonst und politisch ein unangenehmer
Zeitgenosse, ließ die aus der ägyptischen Thebais stammende, aus 6600 christlichen
Soldaten bestehende Legion zuerst zweimal dezimieren (jeden 10. der in einer Reihe
stehenden Soldaten mit dem Schwert töten) und dann die ganze Legion nieder hauen,
weil die Legionäre die Mitwirkung an der Christenverfolgung verweigerten. – Dargestellt
wird der Hl. Mauritius in militärischer Rüstung mit Körper-Panzer, Lanze oder Fahne, im
Spätmittelalter (bei Matthias Grünewald) als bewaffneter Farbiger. – Reliquien eines
farbigen Afrikaners in unserem Hochaltar, das ist schon etwas ganz besonders
Auszeichnendes!
Beim Neubau einer Heizungs- und Lüftungsanlage 1985 wurden u. a. zwei Grabstätten
entdeckt. Man wusste aufgrund von Urkunden schon immer von ihnen:

  • Das Grab der 12-jährigen Tochter des hessischen Kaiserlichen Wachtmeisters Matthias von 1634. Mitten im 30-jährigen Krieg hatte der Landgraf Wilhelm von Hessen mit den Schweden das Kloster Wedinghausen in Arnsberg belagert (Das jetzige Stadtarchiv Arnsberg; hinter der Propsteikirche, links vom Gymnasium Laurentianum). Als Bestechung” für eine solche, nicht übliche Bestattung erhielt der Pfarrer einen vom Wachtmeister geraubten silbernen Kelch. Der ist leider nicht mehr vorhanden. Das ursprüngliche Grab befand sich vom Haupteingang aus auf der rechten Seite, auf Bankhöhe direkt vor dem Quergang, über dem HeizungsLüftungsschacht; jetzt mit anderen Gebeinen unter dem Seitenaltar im rechten Seitenschiff, dem Olper Schiff.
  • Das Grab des Erbauers der Alten Kirche: Pfarrer Pöttgen (gestorben 1775) ist hinten bei der Hl. Franziskus-Figur (dem Vorbild für Bescheidenheit und Verzicht auf Macht und Macht-Gehabe), eben davor beim Ausgang des Heizungs Lüftungsschachts. Hier stand früher das Taufbecken, für Christen „richtig“ im Eingang zur Kirche.

2. Visite auf dem ehemaligen Kirchhof draußen um die Kirche herum

Eine ganze Reihe historisch geordneter Informationen:
Im Jahr 1612 steht in einer Akte: „Ein bestimmtes Haus steht besonders nahe auf dem
Friedhof nahe der Kirche.“ Unbekannt ist, welches Haus gemeint ist; es könnte ein
„Beinhaus“ sein. Eine Art Aufbewahrungsort, nach 30 – 50 Jahren braucht man wieder
Platz für neue Bestattungen. Aber ein Beinhaus ist eigentlich kein „richtiges“ Haus. (PfA
A5)

1710: „Das anstoßende Beinhaus war abgebrannt.“ (Höynck: Geschichte der Pfarreien
des Dekanates Arnsberg, 1910, S. 272) Gemeint ist das Beinhaus bei der „Ganz alten
Kirche“.

Im Jahr 1636 herrschte in Freienohl die „Große Pest“. Manche Freienohler starben. Es
gab das Gerücht: aus Angst vor Ansteckung seien die Verstorbenen außerhalb des Dorfs,
auf dem Hohlknochen bestattet worden. Und wegen der begrabenen Knochen heiße der
Ort Hohlknochen Das kann nicht stimmen. Denn das Wort „Hohlknochen“ ist für diesen
„Ortsteil“ am Mondsiepen älter. Hohlknochen hieß schon vor jener Pest das gesamte
Waldstück ab der Langelbrücke bis unterhalb des neuen Waldfriedhofs, bis „Auf’m Hahn“. –
Pfarrer Caspar Erlmann (Pfarrer in Freienohl: 1797-1806, vorher Kaplan und
Religionslehrer in Meschede, geb. 1767 in Grevenstein) berichtet ziemlich ausführlich über
Freienohl, auch über diese Große Pest, erwähnt aber nichts über Bestattungen auf dem
Hohlknochen. Er kann das auch vergessen haben. – Überzeugend ist dies: zunächst die
Vor-Information: Der Weg von Freienohls Mitte den Hügel hinunter zur Langelbrücke,
wieder hinauf Auf’m Hahn, vorher über das Mondsiepen, dann durch die Giesmecke zum
Plackweg; endlich die uralte Verbindung von West nach Ost, oder von Ost nach West,
oder auch direkt weiter nach Norden: Hirschberg, nach Soest oder nach Warstein. – Zur
Haupt-Information: Im Mittelniederdeutschen Wörterbuch von Karl Schiller und Antonius
Lübben, 1875 – 1881 steht auf Seite 285, Zeile 18-22 bei „hol“: „Höhle, Loch für den
Wasserabfluss eine quer unter den Weg gelegte aus einem hohlen Baumstamm oder aus
Bohlen oder Steinen belegte Öffnung.“ Genau der Wasserabfluss für das Mondsiepen! –
Das Wort „Hohlknochen“ wurde ursprünglich ohne „h“ geschrieben: „Holknochen“; das „o“
wird gesprochen so zwischen „ou“ und „au“, So geschrieben in einer Urkunde vom 15.
Juni 1771. In ihr handelt es sich um Schuldverschreibungen zwischen Caspar Wil(e)ke mit
seiner Ehefrau Elisabeth und Georg Geihsler mit seiner Ehefrau Maria Margaretha. Es
geht um „einen halben Morgen Land auf dem Holknochen, stoßend mit einem Ende an
Schwers und mit einem Ende an Vohses Land“. Unterschrieben vom „Freiheits-Sekretär“
Johannes Heinrich Ahsmann. (PfA A2)

Im Jahr 1737 steht in der Akte einer bischöflichen Visitation: „Der Friedhof ist rundum
abgeschlossen.“ Gemeint war damals damit eine Mauer, wenn auch nur eine kleine, 50,
70 cm hoch, kein Zaun im heutigen Sinn. (EBAP XVIII b 16)
„Traufkinder“ sind direkt an der Kirchen-Gebäude-Wand bestattet. Totgeborene, viel zu
früh Gestorbene, von den Eltern oder der Hebamme notgetaufte Kinder wurden durch das vom Himmel über die Traufe (es gab keine Regenrinne, deswegen) herab fließende
Regenwasser getauft – im Volksglauben.
Am “10ten Brachmondes”, am 10. Juni 1785 gibt der Erzbischof von Köln und Kurfürst
Maximilian Franz, der kirchlich und politisch auch für das kurkölnische Sauerland
zuständig ist, aus seiner Residenzstadt Bonn die Order bekannt: Die Städte und
Ortschaften sollen ihre Verstorbenen nicht mehr auf den Kirchhöfen bestatten, sondern
außerhalb der Städte und Ortschaften. Er nennt keine Gründe, meint aber wohl
hygienische. Auch in Friedhofsakten anderer Städte und Gemeinden ist nachzulesen, dass
die Kirchhöfe in jenen Jahren nicht mehr vergrößert werden konnten – wegen dicht
anliegender Häuser. Und manche Bestattungen wurden vorgenommen im zeitlich zu
schnellen Abstand, zweifach, dreifach übereinander; vor allem bei Regenwetter und im
Winter: Peinlichkeiten entstanden, Pietätloses wurde sichtbar.
Wichtig an diesem Datum – 1785 – ist auch, dass Ursprung dieses hygienischen Konzepts
nicht Kaiser Napoleon war (wie heutzutage manchmal noch angenommen wird).

Am 20. Dezember 1785, ein paar Monate später, gibt der Kölner Kurfürst und Erzbischof
Maximilian Franz von Österreich eine neue Order heraus (in heutiger Rechtschreibung):
“An verschiedenen Orten Unserer Kurlande (Unseres Kurfürstentums) hat bis hierhin die
Gewohnheit bestanden, dass bei Überbringung der Leichen von entfernten Orten zu den
Kirchhöfen der ordentliche Weg nicht eingehalten, sondern die Leichen und Leichenwagen
samt dem ganzen Zug über einen besonderen sogenannten Leichenweg durch Gras und
Früchte, sogar mit Niederwerfung der Ufer und Zäune geführt worden sind. Da Wir aber
diesen Missbrauch, wodurch den Äckern und Wiesen ein merklicher Schaden zuwächst(zugefügt wird), durchaus abgeschafft wissen wollen, so verordnen Wir hiermit gnädigst,
dass hinfür (ab jetzt) alle und jede Unsere Untertanen bei Überbringung der Leichen zu
den Kirchhöfen keines anderen als des gewöhnlichen Fuhrwegs sich bedienen sollen…”

Diese zweite Order betraf unseren Kirchhof nicht. Nach Süden, zum jetzigen Parkplatz,
ging es damals etwas bergauf; nach Norden, über die jetzige Hauptstraße hinweg, hing es
bergab bis zur “Alten Dorfstraße”. Und der Kirchhof war oft feucht und nass; eine
Kanalisation gab es noch nicht. Unter dem jetzigen Altar- und Tabernakel-Raum, den es
zur Zeit der Alten Kirche noch nicht gab, lief ein bescheidenes, aber beständiges Siepen.

Und die erste erzbischöfliche und kurfürstliche Order wurde bei weitem nicht sofort in die
Wege geleitet. Zudem ist nicht bekannt, wann die Order Freienohl erreicht hatte, ein
„Lesedatum“ ist in der Akte nicht notiert. Die politische Entwicklung half weiter. Der Kölner
Kurfürst und Erzbischof stirbt am 27. Juli 1801. Das Herzogtum Westfalen, das
kurkölnische Sauerland, wird 1802 Besitz des Landgrafen Ludwig X. von HessenDarmstadt. Die Hessen haben das Sagen. Das wurde an der Basis durchaus nicht immer
mit Freude erlebt. Die Hessen schaffen eine ziemlich neue Ordnung. Das gilt auch für den
Straßenbau – auch „Kunststraße“ genannt -, für die neue Chaussee durch Freienohl, die
Arnsberg-Beverunger-Chaussee. Manchmal schrieb man auch Arnsberg-CasselerChaussee. Damit gibt es auf dem Kirchhof keine Bestattungen mehr. Erstes Gelände für
den neuen Totenhof, – dieser Name taucht in den Akten auf -, wird gekauft, von der
Pfarrgemeinde. Sie ist – zeitüblich – Besitzerin. (AA 213 Meschede, PfA A5)

Alte Pastorat

Die “Alte Dorfstraße”, deren ursprünglicher Name unbekannt ist, ging entlang des Hauses Höhmann /
Winkelmann und – wer sich noch erinnert – des alten Pfarrhauses am Anfang der Twiete. Deutlich zu sehen ist das am Hauseingang von Höhmann / Winkelmann. Die Haustür führt direkt auf die “Alte Dorfstraße” und nicht zur Twiete. Ähnlich war das beim alten Pastorat, dessen Eingang lag freilich – wie sich das wohl gehörte – etwa 15 Meter von der Straße entfernt. Die, das Pastorat wurde im Oktober 2009 abgerissen. (Die beiden „Geschlechter“: weiblich/die und sächlich/das sind grammatisch richtig; in Freienohler Akten des 19. Jahrhunderts wurde die weibliche Form verwendet).

Die jetzigen Häuser zwischen der Alten Dorfstraße und der jetzigen Hauptstraße gab es
da noch nicht. In den Jahren weit über den nächsten Regierungswechsel – Preußen –
hinaus, brachte die neue Chaussee den Freienohlern auch viel Ärger durch manche
militärischen Durchmärsche, mal von Arnsberg Richtung Brilon, mal von Brilon Richtung
Arnsberg, immer durch Freienohl. Das Hin und Her marschierte sich zwar zügiger als
früher. Aber die Einquartierungen waren auch sehr unangenehm und vergrößerten die
Armut. Denn das Militär wollte auch versorgt werden. Der politische Wechsel von Hessen
nach Preußen kam mit dem Wiener Kongress 1815, endgültig mit dem Staatsvertrag in
Frankfurt am Main 1816: das Herzogtum Westfalen wurde preußisch.

Für den historisch genau Interessierten ist noch offen das Datum, wann denn nun auf dem alten Kirchhof die letzte und wann auf dem neuen “Alten Friedhof” die erste Bestattung war. Im Kirchbuch “Sterbelisten” steht auf den möglichen Seiten vom bestattenden Pfarrer keine Bemerkung, auch im Pfarrarchiv und im Erzbischöflichen Archiv Paderborn ist nichts zu finden (2009). – Dr. Wolf stützt sich in seiner Chronik “Freiheit Freienohl” auf die oben schon erwähnte “Geschichte der Pfarreien des Dekanats Arnsberg” vom emeritierten Pfarrer F.A. Höynck, 1910. Damals gehörte Freienohl kirchlich zum Dekanat Arnsberg.
Höynck meint den jetzt “Alten Friedhof”: “Der Kirchhof wurde 1820 statt des alten um die
Kirche liegenden Begräbnisplatzes angekauft und seitdem mehrmals vergrößert. Von der
Kirche ist er ein paar Minuten entfernt.” (S. 275) Fertig gestellt war 1820 gewiss alles.
Wahrscheinlich früher, etwa 1810, 1814, 1816. Eine “Chaussee” war eine fachlich und
behördlich beaufsichtigte, wohl auch vom Oberpräsidenten Ludwig Freiherrn Vincke von
Arnsberg persönlich, eine “geschotterte” Straße, kein “Weg”. 1816, als die Chausse
wenige Jahre fertig war, spricht jedenfalls die Post vom “preußischen Schnellkurs”, vom
“Dahinschweben”, nennt den Straßenverkehr freilich auch noch “abenteuerlich und
lebensgefährlich”.
Diese Daten über den Chaussee-Bau sollen die gewiss gleichzeitige Anlegung des neuen
“Alten Friedhofs” deutlich machen.

Im Jahr 1805 berichtet der Arnsberger Justiz-Commissarius Gronarz, Richter beim
Freiheits-Gericht Freienohl, über die umliegenden Häuser am Kirchhof. Er hatte auch
direkt mit dem Chaussee-Bau zu tun: “Nach Norden 3 Häuser plus Pastorat, die vom
Kirchhof ziemlich entfernt und niedriger als der Friedhof seien. Nach Osten 4 Häuser,
davon nur 1 = 5 Fuß (1,60 m) vom Tor des Kirchhofs entfernt, die übrigen = 20 bis 60 Fuß
(6,40 m; 19,20 m) vom Friedhof entlegen. Nach Westen 5 Häuser in einer Entfernung von
120 bis 200 Fuß (38,40 m; 64 m). Nach Süden die ganze Freiheit, etwa 70 Häuser, das
kleine Haus.” In diesem Text werden die möglichen Besitzer-Namen dieser Häuser nicht
genannt, weil auch nicht genau fest zu stellen ist, welche Häuser wirklich gemeint waren.
Das mag dem Justiz-Kommissar Gronarz bekannt gewesen sein; zum Gerichtstag kam er
regelmäßig nach Freienohl. (Maße für Preußen: 1 Fuß etwa 32 cm)

1801 gab es in Freienohl 67 Wohnhäuser (in Arnsberg: 252, in Meschede: 172, in Brilon:
406); 1818 gab es in Freienohl 78 Wohnhäuser und 824 Einwohner. – Am 21. Februar
1814 war die Pastorat abgebrannt und wurde 1815 neu gebaut.

Einschübe, die zum Toten-Gedenken bei uns in Freienohl und auch zum Kirchhof um die
„Ganz Alte Kirche“ herum geeignet sind

Priester-Gedenk-Kreuz
Toten-GedenkLeuchte

1998: das Priester-Gedenk-Kreuz an der Süd-Seite der Kirche, zum Parkplatz hin, wurde mit dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenvorstand von Pfarrer Werner Gerold geplant, angeschafft; hergestellt vom Steinmetz-Künstler Gördes in Hellefeld.

1998: von diesen Beiden stammt ebenfalls die Toten-GedenkLeuchte an der Treppe zur Hauptstraße. Wenn ein Freienohler, auch ein nicht katholischer gestorben ist und Frau Elsa Feldmann
informiert ist vom Bestattungsinstitut oder vom Pfarrhaus, zündet sie in der Leuchte eine Kerze an – bis zur Beerdigung oder 3 Tage bis zur Urnen-Bestattung. Beim Vorbeigehen – unten auf der Hauptstraße – kann nun leicht ein stilles Gedenken gebetet werden. (PfA PC = Pfarrer-Chronik)

Ein gewichtiges Gedenken ist das „Totengebet“: die Angehörigen eines gerade Verstorbenen, Freunde und vor allem Nachbarn kommen zusammen zum gemeinsamen Beten. Das ist immer und grundsätzlich an Gott, an den Dreieinigen Gott gerichtet und soll
dabei für den Verstorbenen und für die Betenden gut sein. Im Grunde ein sogenanntes Privat-Gebet, auch wenn es von mehreren gebetet wird, also kein kirchen-amtliches Beten mit dem zuständigen Pfarrer „an der Spitze“. Die nächsten Angehörigen haben für das
gemeinsame Beten einen ihnen bekannten Vorbeter eingeladen. Seit Mitte der sechziger
Jahre im 20. Jahrhundert findet dieses Totengebet in der Kirche am Vorabend der
Beerdigung statt. So gut zehn Jahre davor wurde das Totengebet in der Kirche an drei
Abenden gebetet. Und in den Jahren davor im Haus des Verstorbenen, der war im „guten
Zimmer“ aufgebahrt. Dieser Brauch wurde aufgehoben, als sich aus dem Haus die
Wohnung entwickelt hatte, die für eine größere, im Dorf übliche Trauergemeinde zu klein
geworden war, und für das Weiterleben im Alltag.

3. Visite auf dem Alten Friedhof, anfangs auch Totenhof genannt

Zunächst ganz knapp:

Seine Lage ist bekannt: zwischen dem Pfarrhaus und der Grundschule.
Sein Anfang: zwischen 1800 und 1816. Schon bald und regelmäßig waren Erweiterungen
notwendig. Die stehen in den Akten mit genauer „Ortsangabe“: 1856 in Richtung Ruhr (die
Konrad-Adenauer-Straße – vorher Graf-Gottfried-Straße geheißen – gab es ja noch lange
nicht, nur landwirtschaftlich genutzte Grundstücke, Gärten), ferner 1877, 1887 nach Osten, 1891.

Blick auf den Friedholf um 1804

Vom 5. März 1804: Aus dem Lagerbuch-Eintrag von Pfarrer Caspar Erlmann (in Freienohjl Pfarrer 1797 – 1808) Ein Lagerbuch listet auf die Geld-Einnahmen und -Ausgeben des
Pfarrers, der manchmal äußerst sparsam mit dem Papier umgeht, manchmal nicht, manchmal auch mit persönlich wirkenden Notizen. Pfarrer Erlmann: „Der Graskampt (Name einer bestimmten Flur, eines bestimmten Landabschnitts; auch Kamp oder
Kämpgen genannt) hinterm Pastorat nach Osten an Göers und Klaren, – und nach Süden an den Weg, Westen Jagers, Norden Klaren – Becker …(ein paar nicht entzifferbares Wörter) …habe ich obigen Graskampt (Graskampf) noch ein ober Winkelmann und Sassen gelegenes Wiesenplätzchen von Kaisers angekauft, welches ganz zwischen den Pastoratsgründen lag für (Geldbetrag nicht entzifferbar).“ – Leider fehlt hier die Aussage: Gekauft für den neuen Friedhof. (PfA B3, S. 23)

Einen etwas anderen Anfang für den neuen Alten Friedhofs gibt es im Pfarrarchiv (PfA A 5)
und im Stadtarchiv Freienohl (AA 1813): vom 5. Februar 1847 fast denselben Text; der im
Stadtarchiv ist etwas ausführlicher, daraus hier ein Auszug: Beschluss der Gemeindeversammlung unter Vorsitz des Amtmanns Devivere und unter Teilnahme der
Gemeinde-Verordneten Sasse, Düring, Trompetter, Geissler: Vom hochwürdigen
Generalvikariat (Paderborn) war an den Herrn Landdechanten ein am 2. Oktober 1846
erlassenes Circular (Rundschreiben) und Betreff des Eigentums der Kirchhöfe und war
vom hiesigen Ortspfarrer Herrn Sporkmann hier abgegeben und der darauf verlangte
Beschluss der Gemeindeversammlung abzufassen. Die Gemeindeversammlung erklärte:
„Der ursprüngliche Kirchhof des hiesigen Kirchspiels war bei der Kirche gelegen. Vor mehr
als 40 Jahren wurde bei Anlage einer Kunststraße (also vor 1807, und: was heutzutage
der Autobahn-Bau ist, war damals die ziemlich schnurgerade, nach genauen Bauplänen
„konstruierte“ Chaussee) durch den hiesigen Ort ein großer Teil von dem Kirchhof zu der
Straßenbauanlage genommen. Dadurch war die Notwendigkeit entstanden, den Kirchhof
zu verlegen. Der hier gedachte um die Kirche belegene (gelegene) frühere Kirchhof
gehörte damals sowohl als jetzt der Kirchengemeinde.

Zur Beschaffung des Platzes zu dem neuen Totenhof wurde ein Grundstück von dem
Caspar Cohsmann genannt Claren erworben. Derselbe verlangte jedoch dafür, durch ein
anderes Grundstück entschädigt zu werden. Die Kirchengemeinde besaß indessen kein
Grundstück, um den Cohsmann gt. Claren in der verlangten Art zu entschädigen. Es
verstand sich jedoch die politische Gemeinde dazu, dem Cohsmann für das von ihm zum
Kirchhof abzugebende Grundstück ein anderes Grundstück als Eigentum unter der
Bedingung zu überweisen, dass jeder des katholischen Kirchspiels Eingesessene 1 Taler
bezahle und das Geld zur Gemeindekasse fließe, um damit sich für das Grundstück
bezahlt zu machen.“ Das ist so geschehen. In späteren Jahren wurde es notwendig, den
Kirchhof zu erweitern „und besser zu gestalten“. So wurde ein Grundstück-Teil des
katholischen Pastorats zur Erweiterung benutzt, ohne Vergütung, weil die
Besitzverhältnisse sich nicht geändert hatten. (AA 1813)

Am 16. Juli 1821 wird die Pfarrei St. Nikolaus Freienohl dem Erzbistum Paderbornübertragen; vorher gehörte sie zum Erzbistum Köln. Dieses Ereignis erschwert die Suche nach einem genauen Datum des Wechsels der Bestattungen vom Kirchhof zum neuen (Alten) Friedhof. (PfA 01)

Bekannt ist das Jahr des Straßenbaus. In Gemeinde-Versammlungen geht es im Jahr
1850 um die „Instandsetzung der Friedhofsmauer“; damit war gemeint die „Vorgängerin“
der jetzigen Mauer zwischen Hauptstraße und Kirche. Am 10. April 1850 hat der Schuster
Franz Lardon, 70 Jahre alt, erklärt: „1810 wurde die Chaussee angelegt und die
Kirchhofsmauer gegenüber Raulf (Parzelle 721, Ecke Hauptstraße / Twiete) wurde höher
gelegt. Die war vorher 5 oder 6 Tritte hoch, danach 14 Tritte.“ Tritt ist ein Höhenmaß für
Treppenstufen; 1 Tritt etwa 18 cm hoch; also von 1,08 m bis zu 2,52 m. Der Beitrag von
Franz Lardon ist glaubwürdig; er wird auch vom damaligen Schultheiß Franz Feldmann
bestätigt. Der „Umkreis“ von Franz Lardon bestand aus in Freienohl achtbaren Personen:
Hermann Spillert, Heinrich Assmann, Bernard Feldmann, Franz Feldmann, Franz Schröer
gen. Kleinschmidt, Fritz Lenze, Johann Heinrich Schirp, Theresia Neise, Heinrich Sasse
(Gemeindevorsteher, Gemeindeverordneter). Das geht hervor aus Trauungsregistern und
Gemeinde-Protokollen. (AA 530)

In jenen Gemeindeversammlungen haben die Gemeinde-Verordneten mit dem Amtmann
die Gerichtsverhandlungen mit dem Wegebau-Fiskus (mit der Finanz-Behörde des
Chausse-Bau-Amtes) in Arnsberg vorbereitet. Darum geht es: wer bezahlt den
notwendigen Mauerbau, die Gemeinde Freienohl oder „der Staat“? Aus dem Gerichtsurteil
vom 7. Februar 1852: Im Namen des Königs. In Sachen der Gemeinde Freienohl als
Klägerin gegen den Königlichen Wegebau. Fiskus, vertreten durch die Königliche
Regierung zu Arnsberg… (Personen des Gerichts werden genannt) …aufgrund der Akten
und der mündlichen Verhandlung… Im Jahre 1810 wurde durch Freienohl die jetzt dort
befindliche Kunststraße angelegt. Ein Teil des mit einer Mauer umgebenen Kirchhofs fiel in die Wege-Linie, die Mauer wurde hier weggenommen und es wurde von der Wegebau Kommission (s.o. 1805, Gronarz) eine höhere Mauer errichtet… die jetzige zum Kirchhof
führende Treppe habe statt der früheren 5 – 6 Tritte jetzt 14 Tritte. Die frühere Mauer sei in Kalk aufgeführt gewesen und habe eine lange Dauer versprochen; die neue sei aber mit
Moos ausgefüllt worden, sei daher um so weniger im Stande, den ganzen Schutt der hinter ihr liegenden Erdmasse anzuhalten als die frühere, welche frei gestanden habe; daher soll denn die Folge entstanden sein, dass die Mauer an vielen Stellen ein zu stürzen drohe und eine neue Mauer erforderlich sei, statt dass, wenn die alte Mauer geblieben wäre, die Erbauung einer neuen noch nicht nötig sein würde.“ – Der Wegebau-Fiskus sollte die neu zu errichtende Mauer zahlen; der weigert sich. – Fortsetzung im Gerichts-Text: „Aus der damals (1810) vom Fiskus gemachten Anlage einer neuen Mauer kann durchaus nicht gefolgert werden, dass außerdem in Beziehung auf diese Mauer (1851/52) noch irgend eine Verbindlichkeit oder eine Last für die Zukunft übernommen werde… Die zehnjährige Verjährungsfrist ist daher längst vollendet.“ (AA 530, diese Akte von 1846 bis 1852 besteht aus 165 zumeist beidseitig geschriebenen Seiten)

Eine etwas eigenwillige, aber nicht lange haltbare Argumentation steht in einem
Gemeinde-Protokoll vom 17. Oktober 1851: Der Kirchhof ist normalerweise Eigentum der
Kirchengemeinde, infolge des Chausseebaus 1810 freilich Eigentum der (politischen)Gemeinde. – Am 27. August 1857 heißt es im – politischen – Gemeinde-Protokoll wieder: Der Kirchhof (gemeint ist der neue Friedhof) ist Eigentum der Kirchengemeinde. (AA 530)

Noch eine Anmerkung zum Grundstückkauf für den neuen Friedhof. Und bei dessen
Erweiterungen tauchen diese Namen auf: Clarmann (= Claren), Spenschröer
(Penschröer), Peters / Petersmann, Caspar Kohsmann gen. Claren, Franz Wrede,
Trompetter, Witwe Krick gt. Michels. Ein miteinander Vergleichen dieser Namen in den
Kirchenbüchern: Geburtsregister, Trauungsregister, Sterbelisten zeigt, dass diese
Freienohler miteinander verwandt sind und dass ihre Grundstücke am Rand oder
außerhalb des Orts dicht beieinander, nebeneinander liegen, auch die Teile des Alten
Friedhofs, (Eine Entfaltung dieser Familien-Verbindungen wird hier ausgespart. Nur dies:
der Beiname „Claren“ hat nichts mit Schnaps, mit einem „Klaren“ zu tun; vielmehr hat ein
Cohsmann – damit dann später auch ein Pöttgen – in die Familie Gaudenz Claren
eingeheiratet, diese Familie Claren ist Anfang des 19. Jahrhunderts ausgestorben.)

Vom (politischen) Gemeinderat und dem Amtmann wurde noch einmal festgesetzt, dass
der neue Totenhof der katholischen Kirchengemeinde gehört wie schon der Kirchhof rund
um die Kirche. – Letzteres bringt dann noch mit sich Zeit übliche Schwierigkeiten, ja
Ärgerlichkeiten.

Ab hier wird wieder die historisch orientierte Reihenfolge eingehalten.Freilich, ob folgendes Zeichen des Zusammenlebens und einer eher offiziellen
Trauerbegleitung noch in die Zeit des Kirchhofs oder schon in die Anfänge des neuen
Alten Friedhofs gehört, ist offen. Aus der Sterbeliste der damaligen Kirchenbücher: Ab
1808 unterschreiben oder bestätigen mit ihrer Namensnennung jeweils zwei Freienohler,
dass sie bei der Beerdigung dabei gewesen waren. Bis 1810 stehen hier die Namen für
diesen Brauch der Pietät: Friedrich Hahse, Franz Erlmann, Caspar Cohsmann, Henricus
Kaulmann, Franz Trompetter, Franz Hömberg, Caspar Tönne, Johannes Lenze, x.
Spindeldreher, Caspar Schröder, Johann Schröer, Franz Bräutigam, Fritz Pöttgen, Caspar
Stienberg, Caspar Flinkerbusch, Caspar Knickenberg, Caspar Vohshane, Caspar Köster.
(PfA Sterbelisten)

Aus den „Sterbelisten“ Freienohls, die vom Pfarrer geführt werden:

1820: 21 Verstorbene, davon 12 Kinder (immer unter 15 Jahre).
1821: 18 Verstorbene, davon 12 Kinder.
1822: 28 Verstorbene, davon 11 Kinder.

Zwei besonders traurige Jahre mit hoher Kindersterberate: 1835 ab Oktober bis 1836
Dezember: Für diese Zeit werden hier alle Verstorbenen genannt. ? Bedeutet: nicht lesbar.

1835, 8. Oktober: Franz Wrede, 10 Monate, Sohn des Ferdinand Wrede, Tagelöhner.
1835, 21. Oktober: Joseph Spies, 2 Jahre, 6 Monate, Sohn des Jodokus Spies.
1835, 6. November: tot geborener Sohn des Matthias Sollmann.
1835, 28. November: Elisabeth Schröder, 1 Jahr, 8 Moante, Tochter des Adam Schröder.
1835, 28. November: Adam Pöttgen, 32. Jahre, hinterlässt Ehefrau u. 1 minderjähr. Kind.
1835, 6. Dezember: tot geborener Sohn des Caspar Kessler, Tagelöhner.
1835, 9. Dezember: tot geborener Sohn des Friedrich Gundlach aus der Giesmecke.
1835, 9. Dezember: Franz Lenze, 2 J., 11 M., Sohn des Caspar Lenze, Ackerer.
1835, 14. Dezember: Fritz Köster, 3 J., 2 M., Sohn des Heinrich Köster, Lagelöhner.
1835, 15. Dezember: Johannes Trumpetter, 6 M., Sohn des Anton Trumpetter.
1835, 16. Dezember: Elisabeth Kersthold, 7 J., 8 M., Tochter des Franz Kersthold.
1835, 24. Dezember: Fritz Cohsmann, 1 J., 4 M., Sohn des Heinrich Cohsmann, Ackerer.
1835, 29. Dezember: Maria Catharina Schnapp, 36 J., nicht verheiratet
1836, 1. Januar: Ferdinand Leineweber, 4 J., Sohn des Franz Leineweber, Tagelöhner.
1836, 1. Januar: Franz Weber, 1 J., 5 M., Sohn des Caspar Weber, A ckersmann.
1836, 1. Februar: Johann Eberhard Gea…(?), 5 M., 17 Tage, Sohn des Franz Gea…(?),
Schuhmacher.
1836, 10. Februar: Elisabeth Flimkerbusch, 12 J., 6 M., Tochter des Caspar Franz
Flinkerbusch.
1836, 12. Februar: Nina Ständer, 1 J., Tochter des Friedrich Ständer, Glasarbeiter in der
Giesmecke
1836, 19. Februar: Johannes Stirnberg, 1 J., 3 M., Sohn des Caspar Stirnberg, Ackerer.
1836, 13. März: …(?) Flinkerbusch, 9 M., Tochter des Caspar Flinkerbusch, Tagelöhner.
1836, 5. Juli: Catharina Flinkerbusch, 10 M., Tochter des Caspar Flinkerbusch, Tagel.
1836, 27. Juli: Caspar Spieler, 12 J., 4 M., Sohn des Heinrich Spieler.
1836, 22. August: Heinrich Lenze, 77 J., Witwer.
1836, 24. August: Agatha Winkelmeier geb. Willeke, 71 J., Ehefrau.
1836, 27. September: Elisabeth Ganlöher (?) geb. Trumpetter, 68 J., Witwe.
1836, 3. Dezember: Johannes Friedrich Nuss (?), 22 J., Sohn des Tagel. Joh. Nuss (?).
1836, 7. Dezember: Bernard Wurm (?), 1 J., 1 M., Sohn des Franz Wurm (?), Tagelöhner.
1836, 18. Dezember: Georg Schröer, 69 J., Tagelöhner.
1836, 31. Dezember: Gertrud Köster, 9 J., 4 M., Tochter des Franz Köster, Schreiner.

Die Häufigkeit des Kinder-Sterbens hat aufgehört. Auffällig: die Mutter des Kindes wird
vom Pfarrer nicht angegeben.

1850: 28 Verstorbene, davon 14 Kinder.
1853: 16 Verstorbene, davon 3 Kinder.
1854: 32 Verstorbene, davon 13 Kinder.
1857 an der Seuche, die Rote Ruhr und aufgrund äußerst schlechten Wetters: 77
Verstorbene, 27 Jugendliche und Erwachsene; 50 Kinder, davon 19 Kinder im August und
15 Kinder im September.

Am 17. April 1838: Der Landrat von Arnsberg von Lilien erwartet vom Bürgermeister
Koffler in Freienohl, dass er dafür sorgt, dass “die Eingesessenen jedes mal beim
Grabmachen sich vorher bei dem Totengräber nähere Instruktion behufs (wegen)Anfertigung des Grabes einholen”. Der Bürgermeister antwortet am 27. April 1838 (u.a.),dass er sich darum kümmert und “dass jeder auf die kleinste Unregelmäßigkeit in Hinsichtder Anfertigung der Gräber ohne Nachsicht mit Ordnungsstrafe von 1 bis 5 Reichstalergeahndet werden würde”. (AA 1813)

Am 11. September 1841: Zum Verstehen wohl etwas lückenhaft: Bürgermeister Alluth an
Pfarrer Sporkmann: „Der Beerdigung der gestern schlagartig gestorbenen verwitweten
Gertrud Cohsmann geb. Weber steht nichts im Wege.“ Unklar ist der Hintergrund für diese
Notiz des Bürgermeisters. (PfA A5)

Die Minister der geistlichen Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten der Königlichen
Regierung in Berlin halten am 30. Mai 1844 zur Weitergabe an die Landräte fest: “Auch
die im Staate aufgenommenen Kirchengesellschaften der verschiedenen Religionsparteien
dürfen einander wechselweise in Ermangelung das Begräbnis nicht versagen.” Die
Wortwahl und das politische Konzept “hinter” diesen Wörtern mag heutzutage (2009) zum
Schmunzeln sein. Eigenartig auch: in diesem – hier abgekürzten – Erlass werden nicht
mehr die Wörter “Kirchhof” und “Friedhof” benutzt, sondern “Gottesacker”. (AA 1814)

Die Gemeindeversammlung Freienohl hält am 5. Mai 1845 fest, dass die in der
Giesmecke Verstorbenen auf dem Freienohler Kirchhof beerdigt würden, ohne dass sie
zur hiesigen Pfarrei gehören und ohne dass die Bewohner der Giesmecke zum Unterhalt
des Totenhofs und der Glocken beitragen, “womit hier nach dem Absterben und bei der
Beerdigung für sie geläutet würde”. Man ersucht den Pfarrer Sporkmann, “sich in der
Folge des Läutens für die Giesmecker Toten und deren Beerdigung auf dem hiesigen
Totenhof zu enthalten”. Für diesen Beschluss bleibt unbekannt, ob das Abnutzen der
Glockenseile zu teuer wird, oder ob der „Läutnant“, der Küster und zugleich Lehrer
dahinter steckt und Extra-Bezahlung beansprucht. (AA 1813, PfA A5)

Der Friedhof in der Giesmecke:

Blick in die Giesmecke

Manche verstorbenen Mitarbeiter und deren Familienangehörige, die in der Mühle und vor allem in der Glashütte in der Giesmecke gearbeitet haben, die zumeist keine Freienohler waren, vielleicht auch evangelisch oder auch arm, mittellos (für eine Beerdigung ganz in Calle! Dahin gehörte die Giesmecke damals.). Für die gab es einen “stillen”, nahezu privaten Friedhof in der Giesmecke, in Richtung Hirschberg links vor Bräutigam.
Namen und Zahlen sind (noch) unbekannt. – Zum wohl besseren Verständnis: der Besitzer der Glashütte hatte für die Kinder seiner Arbeiter und Arbeiterinnen eine Schule mit einem Privatlehrer, also nicht von Arnsberg oder Freienohl angestellt, bezahlt, unabhängig (manchmal mit Problemen) von der Freienohler Schule eingerichtet. (Schule bedeutete damals in Freienohl: 1 oder 2 Klassenräume mit den Kindern der Altersstufen 10 – 14 Jahre).

Die Rümker-Kapelle auf dem Alten Friedhof

Hier folgt eine Textfassung, die fast bis in die Gegenwart reicht. Die historisch geordnete Reihenfolge der Daten zur Geschichte der Rümker-Kapelle durch den gesamten Text wird nicht eingehalten. Denn so zusammengefasst wie jetzt, zeigt gerade die Geschichte der Rümker-Kapelle das Zusammenleben Freienohler – getreu dem Leitwort unserer St. Nikolaus-Bruderschaft: Glaube – Heimat – Sitte.
Das macht schon die Textfassung dieses
Abschnitts deutlich: er besteht aus Teilen von „B 4“ des Pfarrarchivs der St. Nikolaus-Pfarrei Freienohl; aus der bescheidenen und doch sehr kostbaren Broschüre „Kirchen, Kapellen, christliche Zeichen in der St. Nikolaus-Gemeinde Freienohl“, herausgegeben zum Pfarrfest am 5. und 6. Mai 1979 von der Firmgruppe IV 1978 (17 Mädchen und Jungen mit ihren Firmhelfern Elisabeth Göckeler, Ingeborg Schwefer, Erich Adams und Ludwig; er zeichnet auch verantwortlich für die historisch korrekte Aufarbeitung dieses Textes), schließlich wurden aus dem Text „Die Kapelle auf
dem Alten Friedhof“ in www.freienohler.de einige Passagen übernommen; – alles: sehr
dankbar.

Begonnen sei mit der Notiz von Pfarrer Steimann (1902-1916 Pfarrer in Freienohl), die er
als loses Blatt in „B 4“ eingelegt hat. „B“ bedeutet: Buch (im Unterschied zu A = Akte) im
Pfarrarchiv, angefertigt von Pfarrer Johannes Barthold Pöttgen (1732-1775 Pfarrer in
Freienohl). Weil dieses „B 4“ ziemlich schwer zu entziffern ist, hat Pfarrer Steimann wohl
so notiert:
„Kapelle am Rümkerwege (Fachwerkbau). Diese Kapelle ist im Jahre 1847 oder 1848
abgebrochen und auf dem Kirchhofe wieder aufgebaut. Hl. Messe ist in derselben schon
lange nicht mehr gelesen; zuletzt vielleicht um 1830, wie sich der älteste Mann hier noch
zu erinnern meint. Steimann“ (Der Name dieses ältesten Mannes steht da leider nicht.)

Pfarrer Pöttgen: „Diese Capellen ist aufgerichtet worden im Jahre 1707 auf Unkosten des
Ehrbaren Philipp Holzapfel Churfürstlicher Jägerer (auch Bürgermeister von Freienohl)
und Einwilligung seiner tugendsamen Hausfrouwen Guida Spenschröer zur Ehre Gottes,
der allerheiligsten Jungfrau, des Hl, Antonius von Padua und des Hl. Hubertus.“

Die Inschrift des breiten Querbalkens über dem Portal: „ZUR VEREHRUNG S.V.
MARIA & ZUM HEILE DER HIER BEGRABENEN AUS DER RÜMBKE HIERHER
VERSETZT IM JAHR 1846 DURCH MILDE GABEN“ (S.V. = sancta venerabilis = heilige
verehrungswürdige) Diese Inschrift zeigt, dass die Kapelle früher in der Rümmecke stand
und zwar in dem dem Ortskern zugewandten Winkel zwischen dem Rümmecker Bach und
der Ruhr. Möglicherweise stand an dieser Stelle eine Art Wachtturm oder eine ähnliche
„Befestigungsanlage“. In Urkunden des 16. und 17. Jahrhunderts gibt es – wahrscheinlich
für diese Stelle – die Bezeichnung „Rümpker Porte“ (kein „Portal“ und keine „Pforte“,
vielleicht ein bescheidenes Tor).

Aus den Akten des Pfarr-Archivs (Pf A 5) informieren diese Daten weiter:

Am 28. Juni 1844 wendet sich Amtmann Devivere an Pfarrer Sporkmann bezüglich „der
Abtretung der am sogenannten Rümker Bach stehenden sehr baufälligen Kapelle durch
die Geschwister Gaudenz und Gottfried Holzapfel in Oeventrop an die katholische
Kirchengemeinde in Freienohl. Die Pfarrei kann die Kapelle aufstellen, wo sie will.
Holzapfel schenkt der Pfarrei außerdem noch 100 Stück Backsteine.“

Am 1. Juli 1844 teilt Amtmann Devivere dem Pfarrer Sporkmann mit, dass die Kapelle in
einem baufälligen Zustand ist; sie werde binnen 6 Wochen abgebrochen oder muss von
neuem wieder aufgebaut werden. Die 6 Wochen dauern länger.

Am 13. Januar 1846 (erst!) erneuert Amtmann Devivere dem Pfarrer Sporkmann
gegenüber seine Mitteilung vom 1. Juli 1844 und schreibt weiter: dass „es wirklich allen
Vorübergehenden einen Skandal bietet, dass ein Gotteshaus so sehr dem Verfall
ausgesetzt bleibt. Deshalb muss er darum bitten, binnen 14 Tage die Kapelle
abzubrechen.“ In dieser Akte steht oben eine handschriftliche Notiz; „1707 gebaut, 1847
abgerissen.“ In der einen und anderen Überlieferung soll ein Dechant sehr geschimpft
haben; wahrscheinlich ein Lesefehler.

Die Freienohler reagierten gelassen und stark: Mit der Zustimmung von Pfarrer
Sporkmann luden sie – laut mündlicher Überlieferung – „das Bauwerk als Ganzes, ohne es
abzubrechen, kurzerhand auf mehrere Fuhrwerke und transportierten es zu dem
Totenhof.“ Die Rümker Kapelle ist dort – repariert – aufgebaut worden.

Bis 1895 steht nichts in den Gemeinde- und Pfarr-Akten.

Erst am 17. Mai 1895 gibt es etwas Neues zur Rümker Kapelle: etwas dagegen, gegen
sie. Waren Instandsetzungsarbeiten notwendig, die sich nicht mehr lohnten, die nicht mehr sinnvoll zu sein schienen? Dazu war Akten-Material im Gemeinde-Archiv und im PfarrArchiv (also politisch und kirchlich) nicht zu finden.

Bekannt ist aber die peinliche Verscherbelung altehrwürdiger Gebets- und Kunst-Schätze
in der Freienohler Pfarrkirche. Erinnert sei nur an die Barock-Figur der Schmerzhaften
Mutter Gottes (wohl zwischen 1716, 1740 geschaffen). Die war dank des
Glaubensbewusstseins der „eingesessenen“ Freienohler Familie Peetz vor der
Vernichtung gerettet, zu Hause aufbewahrt, am 13.12.1959 wieder gegeben worden;
unsere Schmerzhafte Mutter konnte schnell – 1963 – unter Denkmalschutz gestellt
werden (beim Westfälischen Amt für Denkmalschutz in Münster); leider ging der
Denkmalschutz am 13.11.2003 aufgrund unsachgemäßer Behandlung durch den
Kirchenvorstand verloren.

Wieder zur Rümker Kapelle: Im Pfarr-Archiv (Pf A 5) liegt vom 17. Mai 1895 dieses vor:
„Neubau-Kosten einer Kapelle auf dem hiesigen Friedhof von Fritz Göckeler mit 1.752,92
Mark“. Und eine Skizze von Prof. J. Kleesattel in Düsseldorf; Innenmaße: Länge 7,50 m,
Breite 4,50 m. Diese neue Kapelle ist nie gebaut worden, aus welchem Grund nicht, das
ist in den Akten nicht gefunden worden.

Ein Zeitsprung: Am 4. Oktober 1947 – also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – genehmigt
Amtsdirektor Hahne die Wiederinstandsetzung der Friedhofskapelle, der Rümker-Kapelle,
„damit dieselbe vorläufig als Leichenhalle benutzt werden kann“. Die beiden
Fensternischen der Kapelle erhielten 1948 neue in Blei gefasste bildliche Darstellungen
der „Grablegung Jesu“ und der „Auferstehung Jesu“. Die schuf der aus seiner schleischen
Heimat vertriebene und in Freienohl lebende Kunstmaler und Graphiker Martin Pautsch
(geb. 21.10.1905, gest. 27.02.1964) (www.freienohler.de). Er wohnte damals im Hotel
Bracht in der Von Steuben-Stra0e 3 (so hieß nach dem Krieg die Hauptstraße). Seine
Rechnung an die katholische Pfarrkirche beträgt für „Entwürfe, Herstellung, Ausführung:
1.100 RM“am 28. Mai 1948.

Am 15. August 1950 genehmigte Amtsdirektor Hahne dem Pfarrer Dolle wieder eine
Renovierung der Kapelle.

Eine weitere größere Renovierung wurde 1978 vorgenommen.

Im Jahr 2003 hat die St. Nikolaus-Schützenbruderschaft Freienohl die ehrenamtliche
Patenschaft für unsere Rümker Kapelle auf unserem Alten Friedhof übernommen – ganz
getreu ihrem Konzept und Leitwort: Glaube – Heimat – Sitte.

Fortsetzung der Friedhofsgeschichte im Lauf der Jahre

Die Wegebau-Verwaltung der Königlichen Regierung in Arnsberg erklärt am 3. Juli 1850,
dass sie nicht zuständig ist für die Unterhaltung der Kirchhofsmauer in Freienohl. –
Gemeint ist hiermit eine „Vorläuferin“ der jetzigen Mauer zwischen der ArnsbergBeverunger-Chaussee und dem hoch gelegenen Kirchplatz, dem ehemaligen Kirchhof.
(AA 1812)

Am 29. März 1851 erhält der Freienohler Amtmann Devivere vom Arnsberger Landrat von
Lilien zur Information ein Schreiben, darin steht die Meinung, Überzeugung des behördlich
zuständigen katholischen Pfarrers Münstermann von Neheim die Erlassordnung von 1844
(s.o.) sei inzwischen ungültig und stimmt nicht nach Rücksprache mit dem katholischen
Bischof. Der katholische Pfarrer habe dem evangelischen Geistlichen über den
Polizeidienst den Friedhofsschlüssel für eine evangelische Bestattung auszuhändigen.
Diese Praxis wird 1852 vom Oberpräsidenten von Westfalen in Münster ausführlicher
wiederholt. (AA 1812)

Doch leider schon eine Schwierigkeit. Am 2. April 1851: Die evangelische Witwe Luise
Wiedemann, die Schwiegermutter des Kaufmanns Hirschberger ist gestorben. Sie soll auf
dem katholischen Friedhof beerdigt werden nach evangelischem Ritus vom evangelischen
Pastor Bertelsmann aus Arnsberg. Der katholische Pfarrer von Freienohl Franz Anton
Sporkmann gestattet das nicht. Das Verhalten, von einem Besitz etwas abzugeben, kannte
er nicht. „Bertelsmann hat unseren Beistand in Anspruch genommen“, reagiert die
Königliche Regierung in Arnsberg, Abteilung des Inneren (zusammengefasst):
„Gesetzliche Weigerungsgründe stehen dem katholischen Pfarrer nicht zur Seite, indem
selbst, wenn der dortige Kirchhof Eigentum der katholischen Kirchengemeinde sein sollte,
was noch nicht erwiesen ist aufgrund der Verordnung vom 15. März 1847, die Beerdigung
stattfinden würde. Wir weisen Sie (den Freienohler Amtmann von Devivere) daher an,
darauf zu wachen, dass dem von dem Bertelsmann vorzunehmenden Begräbnis kein
Hindernis entgegengestellt werde, … durch zeitig vorzubereitendes polizeiliches
Einschreiten kräftigst zu begegnen… dass die dem kirchlichen Begräbnis vorangehenden
Vorbereitungen, als das Grab Machen usw., ungehindert vorgenommen werden…“ Wie
dann diese Beerdigung vonstatten ging, war in den Akten nicht zu finden. (AA 1812)

Vom 4. April 1851 steht in einem Schreiben von der Regierung in Arnsberg an den
Freienohler Amtmann Devivere, dass „kürzlich zu Neheim ein ähnlicher Fall
vorgekommen“ sei. (AA 1812) – Jetzt – 2009 – muss wenigstens erwähnt werden, dass die
gegenwärtigen ökumenischen Lebensgefühle und Verhaltensweisen nicht auf die
damaligen Jahre zurückdatiert werden dürfen.

Im Datum vorgegriffen, inhaltlich hierher passend: Ähnlich schwierig war es auch noch 8
Jahre später bei der Beerdigung des evangelischen Christen Kaufmann Hirschberger.
(s.u., AA 1813)

Auf dem Amt beschwert sich am 3. Mai 1851 Franz Caspar Cohsmann gnt. Claren, dass
„der hiesige Kirchhof dieses Jahr (3. Mai!) nicht beschnitten werde“. Das schadet seinem
eigenen darüber liegenden Grundstück. „wodurch ihm nicht unbedeutende Nachteile
zugefügt werden“. Cohsmann bat um die baldige Beschneidung der Hecke. (AA 1812)

Am 11. und 14. Juni 1851: Für Cohsmann gnt. Claren sind Unklarheiten vorhanden
hinsichtlich der Grundstücksregelungen zum Totenhof (s.o. 5.2.1847). Vom Amtmann
Devivere wird der Schultheiß Feldmann gebeten, zu erklären, an was er sich erinnern
könne: Die Vergrößerung des Totenhofs im Zusammenhang mit Cohsmann gnt. Claren
fand statt 1823 oder 1824. Es ging um die Parzellen Flur I Nr. 448 und 754; Cohsmann

gnt. Claren erhielt Parzelle Flur I Nr. 480. „Noch einige Jahre nachher“ ist Cohsmann gnt.
Claren von den „katholischen hiesigen Eingesessenen entschädigt worden, was dem
fraglichen Grundstück gleichkommt“. (AA 1912) (gt. oder gnt. = genannt. Der Beiname
Claren hat nichts mit Schnaps zu tun; ein Cohsmann hatte im 18. Jahrhundert in die
Familie Claren eingeheiratet; die starb Anfang des 19. Jahrhunderts aus.)

Am 22. Juli 1851, am 5. und 11. November 1851 bestätigen die Königliche Regierung
Arnsberg, die Abteilung des Innern und der Landrat von Lilien dem Kirchenvorstand in
Freienohl, dass der Kirchhof in Freienohl Eigentum der katholischen Kirchengemeinde ist;
Grundsteuer-Kataster Flur I Nr. 448, 746, 754 und 713. (AA 1812 und EBAP Acta specialia
1836-1933)

Am 12. Januar 1856 bittet Pfarrer Brand den Freienohler Bürgermeister Thüsing bezüglich
des Kirchhofs um eine Informationshilfe: „Euer Wohlgeboren ist bekannt, dass ich es für
notwendig erachte, Repräsentanten für die hiesige Kirchengemeinde wählen zu lassen,
welche die Beschaffung der Kosten für verschiedene dringende Bedürfnisse insbesondere
für den Ankauf von Grundstücken zur Erweiterung des jetzigen Kirchhofs zu besorgen
haben. Nach vorschriftsmäßiger Publication (Bekanntgabe) von der Kanzel hatte ich zu
diesem Zweck den Termin auf den 16. vom Monat anberaumt. Es waren auch die meisten
Mitglieder der Gemeinde erschienen. Als aber die Wahl beginnen sollte, wurde auf Anraten des Caspar Cohsmann gt. Dreher (?) und des Caspar Kehsler gt. Willeken, welche
behaupteten, die politische und nicht die kirchliche Gemeinde sei zur Herstellung eines
neuen oder der Vergrößerung des jetzigen Kirchhofs verpflichtet, die Wahl verweigert.
Euer Wohlgeboren ersuche ich nun um gefällige Erklärung, ob die Gemeinde bereit ist, für
den Totenhof zu sorgen (aufgrund der Wortwahl ist wohl die politische Gemeinde gemeint).Da die Sache sehr eilig ist, so bitte ich, die Vorstandsmitglieder (die
Gemeinderatsmitglieder) möglichst bald darüber zu vernehmen und mir davon Erklärung
zukommen zu lassen. – Dero (Ihr) ergebenster Diener Pfarrer Brand“. (AA 1812)

Am 15. Januar 1856 fand die Gemeinderatsversammlung statt. Die schriftliche Antwort
erfolgte am 17. Januar 1856. Die Anwesenden: Gemeindevorsteher Thüsing,
Gemeinderatsmitglieder Josef Funke, Heinrich Sasse, Heinrich Flinkerbusch, Friedrich
Schwefer, Franz Tönne verweisen darauf, dass sie sich „in dieser Angelegenheit lediglich
auf den Gemeindebeschluss vom 5. Februar 1847 beziehen müssen und also auf den
gestellten Antrag des Pfarrers Brand keineswegs eingehen können“. Der Bürgermeister
legte noch eine Kopie des damaligen Beschlusses bei (s.o. 5. November 1851) Pfarrer
Brand war in Freienohl Pfarrer von 1853 bis zum 9.12.1857; sein Vorgänger war Pfarrer
Sporkmann.

Am 20. März 1856 bittet Pfarrer Brand das Paderborner Generalvikariat um Erweiterung
des Friedhofs; der Ankauf wird genehmigt, 3 kleine Gärten: Garten des Becker,
Winkelmann, Sasse, Schneioers (?)(3?) (EBAP Acta specialia 1836-1933, PfA A27)
Am 3. Mai 1856 schreibt das Paderborner Generalvikariat an Pfarrer Brand: Weil die
Besitzverhältnisse des Friedhofs noch nicht durch urkundliche Schreiben abgeklärt sind,
darf der Pfarrer nicht den erweiterten Teil benedicieren (segnen, einweihen); er darf aber
vorläufig jedes einzelne Grab bei der Beerdigung einsegnen und sich dazu die FakultätErlaubnis von Paderborn) holen. (PfA A5)

Am 30. Juli 1856 erhielt Gemeindevorsteher Thüsing von der Königlichen Regierung
Arnsberg, Abteilung des Innern, dieses Schreiben: „… am 26. Mai dieses Jahres haben Sie
dem Pfarrer Brand selbst die polizeiliche Erlaubnis zur Erweiterung des hiesigen Kirchhofs
mündlich erteilt. Wir bemerken Ihnen hierauf, dass eine mündliche Erlaubnis in Fällen der
vorliegenden Art unzulässig ist, da um so mehr zur Erreichung der erforderlichen
Aktenmäßigkeit und Beseitigung künftiger Zweifel jedenfalls schriftlich hätte erfolgen
müssen. Es kommt hinzu, dass die Erteilung der polizeilichen Erlaubnis zur Anlegung
neuer und Erweiterung bestehender Kirchhöfe ohnehin nicht zu Ihrer Kompetenz gehört…“

Anmerkung: vielleicht haben Herr Thüsing und Pfarrer Brand einfach mal so unter DorfNachbarn mit einander „geschwatert“ und irgendein anderer hat das in den so genannten „falschen Hals“ bekommen, missverstanden usw… und „Arnsberg“ auch. (AA 1812)

Am 18. September 1856 konnte die wohl nächste evangelische Beerdigung der Maria
Gertrud Bracht, Ehefrau des katholischen Arnold Schröder durch Pfarrer Bertelsmann
stattfinden. Im Archiv liegen auch zwei Texte vor, die für ein sehr höfliches und korrektes
Hin und Her sprechen. Katholischer Pfarrer: Franz Josef Brand. Keine Bemerkungen über
mögliche Schwierigkeiten. (AA 1812)

April 1859, kompliziert: Der hier in Freienohl gestorbene evangelische Christ Kaufmann
F.W. Hirschberger (s.o. 2. April 1851) soll auf dem Freienohler Friedhof beerdigt werden.
Der evangelische Pfarrer Bertelsmann schreibt von Arnsberg am 14. April 1859 an den
Gerichts-Assessor Boese in Freienohl: Für die Beerdigung am Sonnabend, den 16. April
1859 morgens um 9 Uhr erhielt er von Pfarrer Adams eine abschlägige Antwort. Dazu
schreibt am 15. April 1859 der kath. Pfarrer Johann Heinrich Adams (Pfarrer in Freienohl
1858 – 1881): „Gegen diese Beerdigung wird Verwahrung eingelegt, da besagte von der
hiesigen katholischen Bevölkerung wohlerworbene Räumlichkeit (gemeint ist der Friedhof)eben ausschließliches Eigentum der hiesigen katholischen Kirchengemeinde ist und folglich jedweder Gebrauch und Mitgebrauch derselben von Seiten irgendwelcher
Andersgläubigen, so oft ein solcher gegen den Willen der Bischöflichen Behörde
beansprucht wird, wie nach dem Kirchenrecht, so auch schon nach den allgemeinsten
Prinzipien des Naturrechts, allezeit eine schreiende Rechtsverletzung und unbefugte
Besitzstörung offenbar in sich schließt.“ Unterschrieben von Pfarrer Adams, Sasse und
Adam Kehsler. – Der Bischof in Paderborn hatte dann für eine solch außerordentliche
Situation die Genehmigung erteilt. So konnte schlussendlich der evangelische Pfarrer sein
evangelisches Gemeindemitglied auf dem Freienohler Friedhof bestatten. (AA 1812)

Hier sei angehängt für heutzutage ökumenisch ausgerichtete Christen ein Brief, der ein
Verallgemeinern des Freienohler Verhaltens nicht zulässt. Außerdem enthalten die
damaligen Protokoll-Akten, heute nennt man sie Ergebnis-Protokolle, kein Hin und Her
unterschiedlicher Überlegungen, Ansichten. Der Brief vom katholischen Pfarrer Böschen in Meschede am 10. August 1812 an den Generalvikar in Paderborn (den Stellvertreter des
Erzbischofs von Paderborn): „In der hiesigen Pfarrei befindet sich jetzt dermalen eine
ziemliche Anzahl Protestanten, unter denen verschiedene Großherzogliche Beamte sind.
Ich wurde gestern von der Frau Oberförsterin Rauch, der Schwiegermutter des
Großherzoglichen Forstverwalters Viehe ersucht, ihr und verschiedenen anderen Alten
ihrer Religion zu erlauben, dass sie zu Laer in der Kapelle sich durch den Arnsberger
Prediger das Abendmahl dürfen geben lassen. Da diese Frau nun eben so wie mehrere
andere sehr schwach und wegen ihres siebzig jährigen Alters nicht reisen kann, und mit
ihren Verwandten fast alle Sonntage dem hiesigen Gottesdienst beiwohnt, und ich so gar
das Zutrauen derselben in so weit besitze, dass sie mich in Krankheiten zu sich berufen
haben, auch wie ich hoffe am Sterbebette bei den meisten sein werde, so habe ich
denselben in der Absicht dies gestattet, um das Zutrauen aller gegen mich dadurch zu
befestigen und zu vermehren, und weil ich bei einer Weigerung einen höheren Zwang
fürchtete. Ich glaube, Euer Hochwürden Gnaden, dies pflichtmäßig und untertänigst
anzeigen zu müssen, und bitte gehorsamst, mir sobald als möglich hochgeneigst melden
zu lassen, ob Euer Hochwürden Gnaden mein Verfahren genehmigt haben. Ich habe die
Ehre mit aller Verehrung und Ergebenheit zu sein / Euer Hochwürden Hochwohlgeboren
Gnaden / Untertänigster Diener / Böschen.“ Eine Antwort ist nicht bekannt. Mit diesem
Zitat geht es ja auch nur um das Einfühlungsvermögen des katholischen Pfarrers. (EBAP
BD 256 BLAU)

Unkompliziert fand durch Pfarrer Bertelsmann aus Arnsberg die evangelische Beerdigung
der Caroline Bracht, Ehefrau von August Lichte gt. Grünhage auf dem Freienohler Friedhof
am 17. April 1863 statt, mit einem Schreiben vom 14. April 1863. Katholischer Pfarrer:
Johann Heinrich Adams. (AA 1812)

1861: Kirchenglocken-Läute-Ordnung, z. B. beim Tod des preußischen Königs Friedrich
Wilhelm IV. am 2. Januar 1861: Paderborn, am 5. Januar 1861: Der Bischof Konrad
(Martin): “Es wird hierdurch angeordnet, dass in allen Pfarr-, Klöster- und Annex-Kirchen
der Diözese von dem Tage des Empfanges (dieses Schreibens) an vierzehn Tage
hindurch jeden Mittag von 12 bis 1 Uhr das übliche Trauergeläute für Seine Majestät den
hochseligen König Friedrich Wilhelm IV. stattfinden soll. (Annex-Kirche = eine der
Pfarrkirche zugehörige Kirche)

Am 8. Juli 1864 in Verbindung mit dem Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn: Auf
dem Friedhof musste das alte, morsch und schadhaft gewordene einfache Kreuz entfernt
werden. „Es war unwürdig geworden. Die Pfarrgemeinde hat für ein neues Kreuz gesorgt.“
(EBAP Acta specialia 1836-1933)

In den Jahren zwischen 1870 und 1880 geht es bezüglich der rund um 1809 bis 1820 neu
angelegten Grabstellen um die Wiederbelegung der älteren Grabstätten. Die wird
genehmigt. Doch ist zu achten auf Erb-Begräbnisplätze, die bleiben erhalten. Dafür liegen
in den Akten gedruckte Bedingungen vor vom 31. Januar 1870. (AA 1812)

Am 6. März 1870 zeigt sich ein christlicher, heute würde man sagen: ökumenischer
Fortschritt: Für die Beerdigung des evangelischen Friedrich Hilmbach übergibt Pfarrer
Adams von sich aus der Freienohler Polizeibehörde den Schlüssel zum Friedhof.
Ausdrücklich fügt Pfarrer Adams hinzu, dass sich deswegen „keinerlei Rechte auf ein
Miteigentum auf den katholischen Kirchhof ergeben“. (AA 1812)

1870: Die beim Bau des Eisenbahntunnels tödlich Verunglückten, die auch zumeist
keine Freienohler waren, wurden auf dem hiesigen Friedhof von Pfarrer Adams bestattet.
(PfA A5)

Am 18. Juli 1871: Der verstorbene 8-jährige Sohn von Josef Noeke darf polizeilicherseits
beerdigt werden. Ein tödlicher Unfall.

Am 5. Januar 1876: Der Totengräber Johannes Trumpetter meldet dem Pfarrer Korte(eine Vertretung für den erkrankten Pfarrer Adams), er habe nur noch für 3 Leichen Platz.
1877 wurde der Friedhof erweitert, d. h. neues Gelände dazu gekauft – nach BesitzerVerhandlungen. (PfA A5)

Am 1.Mai 1876: Der Totengräber Johannes Trumpetter hat kürzlich damit begonnen, die
Leichen in dem oberen Teil des Kirchhofs umzubetten, wo vor circa 25 Jahren beerdigt
worden sei. Jene Leichen sind noch nicht verwest. (AA 1812, PfA A5)

1876: Der Totenhof in Freienohl ist erweitert worden; die aufgekaufte Fläche geht über in
den Besitz der katholischen Kirchengemeinde. (AA 1812, PfA A5)

Am 24. April 1877 stehen nördlich der Kapelle bei aufgekauften Grundstücken diese
Namen: Franz Mester, Johannes Kückenhoff, Heinrich Karneil, Johannes Rocholl, Jakob
Meier, A. Schröder. (EBAP Acta specialia 1836-1933)

Am 27. Mai 1877 wendet sich Josef Noeke an den Kirchenvorstand und Pfarrer Korte: „Ich
habe einen kleinen Wiesengrund neben dem neuen Kirchhof und kann infolge Einzäunung
des letzten nicht zu meinem Grundstück kommen; ich beantrage, den seither benutzten
Pfad über den Kirchhof wieder bloß zu legen oder die untere Hecke um so viel zu
verrücken, dass ich meinen berechtigten Pfad dorthin gebrauchen kann.“ Die Antwort des
Kirchenvorstands: „Es wurde einstimmig beschlossen, den genannten Noeke mit seiner
Forderung abzuweisen, indem zu seinem Grundstück bekanntlich nie ein rechtlicher Weg
geführt hat.“ Josef Noeke war Gemeinde-Verordneter im (politischen) Gemeinde-Vorstand.
(PfA A5)

Bezüglich der Erweiterung des Friedhofs wird in einem Erlass vom Landrat in Arnsberg am Februar und am 6. Juli 1878 ein Text-Teil von 1844 (s.o.) seitens der Königlichen
Regierung von Berlin wiederholt; verglichen werden soll Flur / Parzellen mit dem
Hypothekenschein vom 8. Mai 1841. – Und es wird auf die Polizeiverordnung vom 13.
Oktober 1818 bezüglich des Grundwassers, des Durchflusswassers und der Überfüllung
hingewiesen. Ein Übereinander-Bestatten ist nicht gestattet und die Minimal-Tiefe des
Grabes ist auf 5 Fuß bestimmt (1 Fuß = 32 cm; 5 Fuß = 160 cm). (AA 1814, PfA A5)

Am 1. Februar 1883 benachrichtigt das Amtsgericht Arnsberg den Freienohler
Kirchenvorstand bezüglich der Erweiterung des Friedhofs: Laut Eintrag im Grundbuchblatt
ist die katholische Kirchengemeinde Besitzer des Friedhofs. (PfA A5)

“Kriegerdenkmal”: 14. Januar 1878 bis 31. Juli 1887

Durchaus nicht auffällig: ein vorbildliches Freienohler Gemeinschaftsunternehmen.

Kriegerdenkmal: 14. Januar 1878 bis 31. Juli 1887

Am 14. Januar 1878 wendet sich der Vorstand
des “Krieger-Vereins” an den Amtmann Keiser.
Zum Vorstand gehören: Johann Schwefer,
Johannes Kückenhoff, Johann Humpert, Caspar
Kehsler, Caspar Altenwerth: “Weil wir in der
Gemeinde Freienohl noch kein bleibendes
Denkmal an die Kriegsjahre 1870-71, mithin auch noch keine bleibende Erinnerung an unsere in dem Krieg gefallenen Kameraden haben, so beabsichtigt der Vorstand des Krieger-Vereins, ein solches Denkmal aufzustellen.” Der Amtmann wird um seine Mithilfe gebeten, der Gesangverein ist schon bereit, eine für die Gemeinde offene Informationsveranstaltung findet
statt am Samstag, dem 19. Januar 1878 um 8 Uhr im Vereinslokal beim Wirt Theodor Bracht.
Aus dem Protokoll der Veranstaltung: “Alle sind
für die Denkmal-Errichtung. Finanzielle Beiträge
leisten der Krieger-Verein, der Gesangsverein; die Gemeinde wird um Spenden gebeten. Als Platz wird vorgeschlagen: „dem Gastwirt Trompetter gegenüber auf der anderen Seite der Straße. Möglich ist auch ein anderer Platz.“ Gemeint ist Gastwirt Franz Trompetter, Alte
Haus-Nr. 62, Parz. 717 (später Caspar Humpert mit Kegelbahn), an der Ecke Am Hügel /
Hauptstraße; das Haus Blessenohl gab es damals da noch nicht.

Am 16. Dezember 1878: Aus dem Protokoll des Krieger-Vereins: “Ausschreibungen
wurden begonnen. Ein großer Teil der Beitragsspender wünscht das Denkmal bis
spätestens Juni errichtet zu sehen.” In der Akte AA 10 liegen die unterschiedlichsten
Angebote als Annoncen aus Berlin, Diez, Menden, Meissen, Soest, Königswinter, KölnEhrenfeld, Bonn, Crefeld (mit C). – Die Zeit geht weiter. Ohne Verärgerungen (jedenfalls nicht in der ziemlich ausführlichen Akte).

Aus dem Protokoll vom 29. September 1879: “Ein Commitee-Mitglied kann an der für
heute Abend anberaumten Sitzung nicht erscheinen. Er muss mit seinem Arbeiter nach
Bahnhof-Olsberg und Siedlinghausen. Früher da zu sein kann er sich nicht leisten wegen
der Unkosten von mindestens 30 bis 40 Mark. Er bittet um Terminverlegung. Er habe auch
schon mit den anderen Commitee-Mitgliedern gesprochen.” Reaktionen sind nicht
bekannt.

Am 6. Februar 1882 erklärt ein Commitee-Mitglied seinen Austritt, “weil ich einsehe, dass
aus der ganzen Sache nichts wird. Meine versprochenen 150 Mark muss ich vorher erst
deponieren.”

Am 12. April 1886 sind die Commitee-Mitglieder mit dem Amtmann: Schneidermeister
Arnold Schröder, Maurermeister Caspar Kehsler, Rendant Louis Bracht,
Dachdeckermeister Hirnstein, Zimmerermeister Franz Korte.

Am 16. April 1886 ist der geeignete Platz für das Denkmal „zwischen der Besitzung des
Kaufmanns Emmerich und des Ferdinand Kerstholt”. 2009: Emmerich = Hömberg,
Kerstholt = Gastwirtschaft I-Punkt; Ecke Hauptstraße – Brunnenstraße. In jenen Jahren
auch noch wie früher genannt: In der Ecke.

Die Provinzialsständische Wege-Bau-Inspektion – am 3. Mai 1886 – hat nichts dagegen,
nur „der Grundstücksbesitz muss geklärt sein”.

Am 14. Juni 1886: Der Platz zwischen Emmerich und Kerstholt soll zu klein sein und –
noch ein anderer Vorschlag – “die Kirchhofsmauer eignet sich nicht als Bauplatz. Es bliebe
nur der Gemeindeplatz vor der Geissler’schen Besitzung, … doch dafür würden die
Fundierungs- und Einfriedigungskosten zu hohe Kosten werden”. Es solle noch bis zum
nächsten Jahr gewartet werden, ob sich bis dahin “wegen etwaiger neuer Wasserleitungen
ein neuer Platz ergebe”.

Aus der Korrespondenz geht – am 22. Oktober 1886 – hervor, dass Louis Grineisen aus
Volkmarsen den Sockel des Denkmals herstellt. Die Tafel wird in Berlin bei Werck und
Glinicke angefertigt.

Ganz einig ist man sich noch nicht – am 9. März 1887: Der Denkmalsplatz soll sein Flur I
Nr. 788, 716, das ist – aus heutiger (2009) Sicht das Haus des Modegeschäfts Blessenohl,
genauer: die Ecke Hauptstraße / Am Hügel. Auch der Platz bei Emmerich soll vermessen
werden.

Am 31. Juli 1887 ist alles klar: endgültiger Platz vor dem Kaufmann Emmerich und „erster
Tag: Enthüllung des Krieger-Denkmals”.

Pfarrer Falter schreibt in seiner „Pfarrer-Chronik“: „Also genau an demselben Tage, an
welchem vor 17 Jahren der König seine Residenz verließ und zur Armee nach Frankreich
reiste, wurde im Beisein des Regierungspräsidenten von Rosen, des Landrats Freusberg
in Arnsberg und des Bezirks-Commandeurs Major von Heineccius in Meschede das
Kriegerdenkmal eingeweiht, bei welcher Gelegenheit der genannte Präsident die Festrede
hielt. Es wohnten der Feier noch mehrere Offiziere, 8 Fremde und der hiesige
Kriegerverein, der Ortspfarrer, im Ganzen gegen 2000 Personen bei. – Der Bau des
Denkmals hat viel böses Blut gemacht, da es viel Geld kostet, und dasselbe sonst,
beispielsweise für die Kirche, zu gebrauchen war; jedoch lässt der Bau sich entschuldigen,
da das Geld anderweitig zu Vereinszwecken zusammengebracht war.“ (PfA PC)

25-jähriges Stiftungsfest des hiesigen Kriegervereins

Zum 5., 6. Juni 1899 schreibt Pfarrer Falter in seiner Chronik: Es „wurde das 25-jährige
Stiftungsfest des hiesigen Kriegervereins gefeiert. Es wurde ähnlich begangen wie das
Schützenfest und auch auf zwei Tage ausgedehnt. Des Morgens war Gottesdienst, des
Nachmittags auf dem Schützenhofe Konzert resp. (bzw.) Ball. Am ersten Tage fand auch
eine Begrüßung der von auswärts mit ihren Fahnen erschienenen 17 Vereine bei dem
Kriegerdenkmal durch den Amtmann von Köckritz statt und im Anschluss daran der
Parademarsch, welcher von dem Fest-Commitee abgenommen wurde. Auch waren die
Herren Oberregierungsrat Michaelis und Landrat Droege als Vertreter des
Regierungspräsidenten erschienen, von denen der erstere die Krieger im Namen des
Königs begrüßte und den Kaisertoast ausbrachte (aussprach). Auch fand eine
Dekorierung (Auszeichnung, Ehrung) der Gründer des Vereins, sofern sie dem Verein 25
Jahre ununterbrochen stabil angehört hatten – 12 an der Zahl – statt, bei welcher der
ebenfalls anwesende Ortspfarrer Falter einige salbungsvolle Worte sprach. – Der Ort war
einheitlich geschmückt und zählte 63 Ehrenpforten (Überkränzungen der Straße). Bei dem
Festzug durch die Stadt (!), an welchem die fremden Vereine sich beteiligten, wirkten 3
Musik-Chöre mit, unter denen die 83-ger Militär-Kapelle aus Arolsen. – Die Namen der 12
Gründer sind folgende: Kaspar Altenwerth, Adam Assmann, Anton Bauerdick, Johann
Kerstholt, Kaspar Kehsler, Johann Kückenhoff, Josef Noeke, Fritz Neise, Heinrich Schwer,
Fritz Spindeldreher, Kaspar Weber, Theodor Zacharias. (PfA PC)

Eine Kurzfassung für unsere Soldaten-Gedenkstätte:

1. Zwischen Schützenhalle und Grundschule: Erster Weltkrieg 1914-1918; unter ihnen
der Jude Paul Zander + 1918. Zweiter Weltkrieg 1939-1945.
2. In den Sterbelisten, im Totenbuch des Ersten Weltkriegs steht bei manchen
verstorbenen Kindern die Bemerkung des Pfarrers: „Der Vater steht im Felde.“ – Bei
Friedhofs-Visiten mit Schulklassen (Kl. 8 – 10): die Bedeutungen von “gefallen”,
“Gefallener” und “Der Vater steht im Felde” kannten Schüler nicht. Manche
antworteten so: „der war bei der Feldarbeit hingefallen.“ Und: „Als sein Kind zu
Hause starb, arbeitete er auf dem Feld, auf dem Acker.“ Allerdings sagte einer
ziemlich leise: “Die Soldaten, die da aufeinander schießen, ermorden sich ja.”
3. Rechts vom Amtshaus steht die Gedenksäule für verstorbene Freienohler Soldaten
im Preussisch-Französischen Krieg mit der Schlacht bei Sedan 1870/71, auch mit
dem Namen des Freienohler Juden Joseph Benjamin Rosenthal, 24 jährig, ältester
Sohn von Leser Rosenthal, ganz selbstverständlich gehörte er als Deutscher dazu.

Fortsetzung der Friedhofsgeschichte im Lauf der Jahre

Am 17. Juni 1885: Die Pflasterung des Kirchhofswegs wird vorbereitet. (AA 407)

Am 5. September 1885: Der an dem Weg zum Totenhof führende Abzugsgraben soll bis
zu dem von Kehsler (Gemeindeverordneter) projektierten Ende mit einer ähnlichen wie die
bereits fertig gestellten Mauer eingeböscht (Böschung!) und der Graben selbst in einer
Breite von 85 Zentimetern ausgepflastert werden. (AA 407)

Ein pastoral peinlicher Zwischenfall oder/und ein Spektakel der Macht:Quelle: EBAP; Erzbischöfliches Archiv Paderborn, Acta Specialia 1836-1933, St. NikolausPfarrei Freienohl. – In Klammern kursiv Geschriebenes sind Anmerkungen vom Autor H.P.

Gasthof Siepe-Necker
In diesem Haus verstarb am 07. April 1886 das Kind von dem Gastwirt Johann Siepe-Necker,
dessen Beerdigung zu einem pastoral peinlichen Zwischenfall führte.

Am 12. April 1886 schickt der Freienohler Gastwirt Johann Siepe-Necker an das
Erzbischöfliche Generalvikariat Paderborn (GV) dieses Telegramm:„Pfarrverwalter Falter verweigert Abholung der Leiche meines am 7. dieses Monats
gestorbenen Kindes. Bitte denselben anzuweisen, seiner Pflicht nachzukommen oder
einen anderen beauftragen.“

Am 12. April 1886: Antwort des GV an Siepe-Necker: „Verhältnis uns unbekannt.
Seelsorger muss entscheiden.“

Am 21. April 1886 steht im EBAP in den Akten des GV: Falter / Siepe die Notiz: „Die
Eingabe des Gastwirts Johann Siepe zu Freienohl vom 16. April 1886 betreffend der
Beerdigung eines Kindes ist dem Hülfsseelsorger (damalige Schreibweise, dieser Titel
geht noch auf den sogen. Kulturkampf zurück, am 17.12.1886 wird er Pfarrer) Falter in
Freienohl zum Bericht zugesandt worden.“
Der Brief von Siepe am 16. April war 4 Seiten lang, rechtsseitig beschrieben, so war es
üblich für die Randnotizen des Lesers.

Am 10. Mai 1886 antwortet Pfarrer Falter dem GV mit einem 4 Seiten langen Brief; hier
folgt die gestraffte Wiedergabe:Die Wirtschaft Johann Siepe liegt von der Kirche aus gesehen jenseits der Ruhr. (Die
Strecken-Länge ist nicht angegeben. Etwa 40-50 Meter) Bisher war es nicht üblich, dass
der Pfarrer auch von außerhalb der Ruhr – als Grenze der Pfarrei, wie nach Arnsberg hin
der Rümmeke Bach – die Leiche abholte. Pfarrer Adams freilich hat Ausnahmen gemacht.
Ausnahmen sind keine Regeln. Üblich war, die Leiche bis zur Grenze (hier: die
Ruhrbrücke) zu bringen. Von dort holt der Pfarrer die Leiche mit dem Leichenwagen ab.
So sollte es auch diesmal sein. (Fast wie nebensächlich hört sich an:) Das Kind ist
notgetauft von der Hebamme Kerstholt. – Johann Siepe rechnete mit einer Ausnahme. Die
machte Pfarrer Falter nicht. Er beantragt beim Generalvikariat, die Beschwerde
abzuweisen, „zumal derselbe (Johann Siepe) keinen Grund hat, seinen kleinlichen Sinn
besonders hervorzukehren, da er den jungen Leuten beiderlei Geschlechts bis spät
abends Zusammenkünfte gewährt und selbst in der geschlossenen Zeit in seinem Haus
Tanzmusik erschallt“. (Die Adventszeit und die Fastenzeit waren „geschlossene Zeiten“,
z.B. kirchliches Verbot von Tanz- und ähnlichen Veranstaltungen. „Echte“ Musik!
Schallplattenmusik gab es noch nicht. – Die Leiche war ein Kind, der Sohn von Johann
Siepe, 2 Tage alt! Einerseits hätten Totenträger der Familie Siepe, wie üblich die nächsten
Nachbarn, den Kleinstkindsarg die 40 – 50 Meter leicht bis zur anderen Ruhrseite tragen
können, dort würde dann Pfarrer Falter mit dem Leichenwagen, – Pferdefuhrwerk mit 2
Pferden, es ging den Breiten Weg hinauf – , bereit stehen. Oder andererseits: Pfarrer
Falter wäre in Begleitung des Leichenwagens die 40 – 50 Meter zum Haus des Wirts
Johann Siepe gegangen, hätte viel Platz zum Wenden gehabt… Vielleicht ist zu
unterscheiden zwischen den gesagten und wahren Gründen. Der wahre Grund mag
gewesen sein das „unsittliche“ Verhalten des Gastwirts.)

Der Tag der Beerdigung des verstorbenen Babys Caspar Siepe ist im Sterberegister der12. April 1886; Bemerkungen stehen nicht darin.

Einen guten Monat später, am 26. Mai 1886 schreibt Johann Siepe ans Generalvikariat
Paderborn: „Ich erlaube mir die Bitte um gefällige Erledigung und Beantwortung(zeitüblicher Briefstil) meiner Beschwerdeschrift vom 16. April des Jahres. Die Umstände sind danach angetan, dass ich die Sache geregelt haben muss. Ich beanspruche meine Rechte als katholischer Christ von dem vorgesetzten Seelsorger, und als der katholischen Kirchengemeinde in Freienohl zu den Kirchensteuern verpflichtet, wünsche ich gleich den anderen Katholiken behandelt zu werden. Eventuell werde ich der Königlichen Regierungdamit wird der Landrat in Arnsberg gemeint sein) die Sache zur weiteren Erörterung vortragen. Joh. Siepe“

Am 29. Mai 1886 antwortet das Generalvikariat dem Johann Siepe: „Aufgrund der Berichte
von Falter und dem zuständigen Dechanten (in Meschede, der die Angaben Falters
bestätigt) liegt kein Grund für eine Rüge vor. Falter hat für die vorgenommene kirchliche
Beerdigung Ihres Kindes jede denkbare Rücksicht gemacht. – Obiges als Abschrift an
Falter zur Kenntnisnahme.“
Demnach wird Pfarrer Falter über die Ruhrbrücke gekommen sein. – In seiner eigenen und
jedem Pfarrer aufgetragenen Chronik über seine Arbeit und über das Leben in der Pfarrei
steht nichts von dieser Bestattung. Dafür steht darin vom Sonntag, dem 11. April 1886 ein
attraktiver Bericht von der feierlichen Grundsteinlegung des Erweiterungsbaus der Kirche
im Rahmen eines Nachmittags-Gottesdienstes mit einigen gewichtigen kirchlichen und
politischen Gästen. Auf dem Grundstein stehen eingemeißelt 4 Buchstaben: P.L.J.F.
(Parocho Loci Julio Falter – Durch den Pfarrer des Ortes Julius Falter).

Am 20. August 1886 schreibt Johann Siepe erneut an das Generalvikariat in Paderborn;
hier fast wörtlich: Johann Siepe bittet dringend um nochmalige sorgfältige Durchsicht
seiner Eingaben vom 16. April. Seine Angaben sind wahr und richtig und seine
Beschwerde deshalb auch gerechtfertigt, „wie ich denn auch das geschilderte Verhalten
des Hülfsseelsorgers Falter nicht zu loben weiß“. Johann Siepe sieht „vom erlebten Vorfall
ab und“ stützt sich „auf sach- und rechtsbeständiges Herkommen, katholischen Brauch
und fromme Sitte“, bittet für sich und seinen Hausstand und namens seiner Nachbarn
hinter (von Siepe aus gesehen) der Freienohler Ruhrbrücke, aber innerhalb der
Ortsgemeinde Freienohl. Das Generalvikariat möge dem jetzigen und allen zukünftigen
Pfarrern aufgeben, den katholischen Christen jenseits der Ruhrbrücke (von den Pfarrern
aus gesehen) bei Krankheits- und Todesfällen die geistlichen Trost- und Heilmittel prompt
zu gewähren, die Leichen im Sterbehaus einzusegnen (so war es damals üblich,
nachzulesen in alten Toten-Gebetsbüchern und Gesangbüchern) und von da christlich und
würdevoll zum Friedhof zu geleiten.“

Am 27. August 1886 antwortet das Generalvikariat dem Johann Siepe, dass das
Generalvikariat keinen Grund hat, die Verfügung vom 29. Mai 1886 abzuändern. Der
Volksmund mag vielleicht sagen. Der Verstorbene würde sich im Grabe umdrehen.

Fortsetzung der Friedhofsgeschichte im Lauf der Jahre

Kirche um 1887

Am 3. Juni 1887: Der Kirchenvorstand wendet
sich mit dem Pfarrer an das Erzbischöfliche
Paderborner Generalvikariat: Die Erweiterung
des Totenhofs ist notwendig. Die ist nur noch
möglich Richtung Osten. Der jetzige Totenhof
hat 1 ¼ Morgen. Das reicht nicht aus für 1400
Personen. (EBAP Acta specialia 1836-1933) (1
Morgen = 2.553,22 m² : Preußen; also etwa
3.200 m²)Am 6. Juli 1887 informiert das Generalvikariat in Paderborn den Kirchenvorstand mit Pfarrer Falter: Der Totengräber erhält 1,50 Mark für 1 Beerdigung 1 Leiche älter als 12. Lebensjahr; für Kinder unter 12: 1 Mark. (PfA A5)

August, September 1888: Ein Hin und Her an Informationen, Klärungen, Bemühungen
zwischen dem katholischen Kirchenvorstand Pfarrer Falter, dem Amtmann Enser in
Freienohl und dem Landrat Freusberg in Arnsberg: Der Totenwagen schafft nicht den Weg
von der Landstraße hier auf den Totenhof. Dieser Weg ist viel zu eng und für den Wagen
wegen der Weg-Nässe nicht befahrbar. Für den Wege-Ausbau bedarf es Ankäufe; dafür
fehlt Geld. Und es geht nicht so schnell. – Gemeint ist der Weg von der Hauptstraße zum
Friedhof zwischen Haus Bracht und dem – damals – Bauernhof Flinkerbusch. (AA 1815)

Am 27. November 1891: Pfarrer Falter und Amtmann Enser in Freienohl erklären
übereinstimmend, dass der jetzige Friedhof zu klein ist und notwendig einer Erweiterung
bedürfe. Landrat Freusberg in Arnsberg setzt sich für eine Erweiterung ein. (PfA A5)

1891: Die Anschaffung eines Totenwagens wird verschoben, weil ein ordentlicher Fahrweg
immer noch fehlt (1 bis 2 Pferde mit einer Art „Leiterwagen“!). (AA 1815)

Am 1. Dezember 1891 Landrat Freusberg an Pfarrer Falter: Eine Erweiterung ist nur
sinnvoll, wenn das Regenwasser im Untergrund abgeleitet wird. (PfA A5)

Am 29. April 1891: Der Kirchenvorstand informiert das Generalvikariat in Paderborn: „Der
Wasserschaden am Totenhof macht wohl seine Schließung notwendig. Auch Jauche aus
dem Ort fällt auf.“ (EBAP Acta specialia 1836-1933)

Im Februar 1892 kümmert sich Pfarrer Falter um die Entwässerung des Friedhofs. (AA
1815)

In der „Mescheder Zeitung“ steht am 27. Juni 1893 unter Amt Freienohl: „In den
Gemeindebezirken Dinschede, Rumbeck und Grevenstein ist nach Beratung mit den
Gemeindevorständen polizeilich verordnet worden, dass von jetzt ab die Leichen mittels
eines Leichenwagens nach den Kirchhöfen gefahren werden und darf die Überführung
derselben nicht mehr durch Träger erfolgen. Bei Leichen von Kindern unter 10 Jahren
kann jedoch mit Erlaubnis der Ortspolizeibehörde die Überführung durch Träger
stattfinden. Die Erteilung der Erlaubnis kann von der Beibringung eines ärztlichen Attests
über die Todesursache abhängig gemacht werden.“ – Damals war es üblich – in Freienohl
und wohl auch im Sauerland – den Verstorbenen bis zur Beerdigung zu hause 2-3 Tage
aufzubahren und auch zu hause das Totengebet mit der Nachbarschaft zu halten. Damit
wird auch deutlich, dass dieses Totengebet, wenn auch zu mehreren ein Privatgebet ist,
auch wenn es im Raum der Kirche stattfindet; doch deswegen hat der Pfarrer das SorgeRecht für würdiges, gemeinsames Beten.

Am 7. Januar 1895 informiert der Freienohler Amtmann Enser den Landrat in Arnsberg
aufgrund dessen Anfrage, dass “der Weg zum Totenhof seit einigen Wochen im(be)fahrbaren Zustand gesetzt worden ist. Jetzt geht es um die Anschaffung eines
Totenwagens.” (AA 1815)

Bis in den Mai 1895 geht es um Grundstücksverhandlungen zur Vergrößerung des
Friedhofs. (AA 1815)

Auf Kirchweihfest, am 17. November 1895 schreibt Pfarrer Falter in seiner Chronik,
„wurde zum ersten Mal der auf Befehl der Regierung seitens der Gemeinde angeschaffte
neue Totenwagen benutzt. Die Ehefrau Storm geb. Kaulmann wurde als die erste in
demselben zum Kirchhof gebracht, während der von dem ehemaligen Posthalter Lorenz
Düring gefahren wurde. Zur Erstattung der Anschaffungs- und Unterhaltungskosten
wurden für den Wagen von Fall zu Fall 3 Mark entrichtet, welche in die Gemeindekasse
fließen, während die Beschaffung der Pferde den Interessenten (!) überlassen bleibt.“ (PfA
PC)

Am 6. Juni 1899: Pfarrer Falter wird vom Totengräber Franz Stirnberg informiert, dass er
vor einer Beerdigung (des Fritz Lange am 27. Mai) dreißig (!) Eimer Wasser aus dem Grab
geschöpft hat. (PfA A5)

1902: Der Wirt Vater Necker-Siepe hat es nicht leicht, dass seine verstorbene Tochter
Maria, „gerade mal eine viertel Stunde auf der Welt“, unkompliziert auf dem Friedhof
bestattet wird. 50 Meter von der Ruhrbrücke entfernt trennte Haus und Familie NeckerSiepe „räumlich“ von Freienohl; denn politisch gehörte man nach Meschede und kirchlich
nach Calle. Pfarrer Falter wollte mit dem inzwischen angeschafften Totenwagen nur bis vor
die Ruhrbrücke ziehen. Dabei waren Freienohler die gängigen Gäste der Schenkwirtschaft
Necker-Siepe, vor allem auch „die jungen Leute“. Das „gehörte“ sich nicht, die „herein zu
lassen“, meint Pfarrer Falter. (Spektakel der Macht. Und: die gesagten Gründe sind nicht
immer die wahren Gründe)

Am 8. Oktober 1906: Kosten-Anschlag für den Entwässerungsgraben: 974,13 Mark. Am
Oktober 1906 ein neuer Betrag: 992,13 Mark.

Zur Zeit des Ersten Weltkriegs: 1. August 1914 bis 11. November 1918:

Erschütternd sind die Eintragungen vor allem zu Beginn des Ersten Weltkrieges von
Pfarrer Steimann (in Freienohl 1902-1916). Sie lesen sich wie noch am selben Tag
geschriebene sehr persönlich gehaltene Aufzeichnungen. Weil aber in ihnen nichts
Ausdrückliches vom Alten Friedhof steht, folgen seine Erinnerungen an anderer Stelle
unserer Dorfgeschichte.

Im Pfarrarchiv befinden sich bei den Pfarrer-Chroniken mehrere Briefe „von der Front“ an
den Freienohler Pfarrer für seine Trauerarbeit mit den Angehörigen. Der erste Brief sei
ausgewählt und hier zitiert. Er betrifft Bernhard Weber, gefallen am 3. Oktober.1914 (der
Erste Weltkrieg hatte am 1. August 1914 begonnen!) in Cerny, Grab: Colligs bei Reims;
Pionier; Maurer, ledig; geb. 15.2.1890. Der Brief: „Colligs, den 3. Oktober 1914 / Herrn
Bernhard Weber, Freienohl Kreis Arnsberg / Das Lazarett erfüllt die traurige Pflicht, Sie
von dem Hinscheiden Ihres Sohnes Bernhard, R.K. Batt. 21.2. Comp. in Kenntnis zu
setzen. Er wurde schwer verletzt in das Feldlazarett 36 in Colligs am 26. September
gebracht und ist am 3. Oktober seinen Verletzungen erlegen. Er ruht auf dem Friedhof zu
Colligs und ist feierlich von dem Divisionsgeistlichen beerdigt worden. Ein Kreuz mit
Namen bezeichnet seine letzte Ruhestätte. / Der Chefarzt gez. Lydow, Oberstabsarzt.“

Zum möglichen Gedenken hier noch die ersten 5 Auszüge aus der „Kriegsstammrolle“,
von den „Kriegsschauplätzen“, dort auch bestattet. Stadtarchiv (AA 2224)

Heinrich Althaus, Arbeiter, geb. 3.5.1888, ledig; Eltern Christian Althaus und Elisabeth geb.
Neise; gefallen 22.8.1914 im Gefecht Petitvour / Belgien; 2. Kp.R.I.R. 81 = 2. Kompanie
Reserve Infanterie Regiment 81 (für Freienohler: „die Einundachtziger“).

Hermann Pütz, Maurer, geb. 1.9.1887; verheiratet mit Franziska geb. Dölle; Eltern:
Heinrich Pütz, Fabrikarbeiter, Christiana geb. Bräutigam; gefallen 22.8.1914 im Gefecht
Petitvour / Belgien, 2. Kp.R.I.R. 81; aus der Kriegsstammrolle: Die Krankenträger Schulte
und Cordes: Wir bestätigen, dass der Unteroffizier Pütz aus Freienohl bei Petitvour am
22.8.1914 gefallen und tot ist.“

Kaspar Becker, Zimmermann, geb. 16.11.1886, verheiratet Johanna geb. Jablonski, 1
Kind; Eltern: August Becker, Fabrikarbeiter, Elisabeth geb. Kohsmann; gefallen 22.8.1914
im Gefecht Petitvour / Belgien, 2.Kp.R.I.R. 81; aus der Kriegsstammrolle: „Infolge seiner
Verwundungen im Kriegslazarett gestorben.“

Josef Müller, Arbeiter, geb. 6.4.1894, ledig; Eltern: Josef Müller, Wildshausen, Maria geb.
Freimuth; Kopfschuß am 21.3.1915, gestorben am 25.3.1915 im Kriegslazarettt Johann
von Arc zu Voiziers, Füsilier im 4. Garderegiment.

Fritz Beckmann, Erdarbeiter, geb. 17.7.1892, ledig; Eltern: Fritz Beckmann und Klara geb.
Flinkerbusch; eingetreten 15.10.1913 beim Pionier-Battaillion 21; mitgemachte Gefechte:
Anloy 22.8.1914, Villers 27.8.1914, Alliamelles 7.9.1914, Sermaize 8.u.9.9.1914. Merlot
18.9.1914, Chivy 26.9.1914, Damery 6.10.1914, Pavillers 8.10.1914, Fresnoy 11.10.1914,
Le Anesnoy 1.11.1914, Stelingl. Bei Roye / Pobar 9.4.1915; gefallen beim Sturm auf den
Selowatka 18.4.1915. (Die Rechtschreibung dieser Orte ist im Vergleich zur heutigen
gewiss nicht korrekt.)

Um sich nachträglich hinein zu fühlen in den Ersten Weltkrieg folgen hier Auszüge aus
einem von heute – 2009 – aus gesehen nahezu unmöglichen Buch. Damalige Freienohler
haben dieses Buch bestimmt nicht gekannt: Johann Leicht (Herausgeber): Sankt Michael.
Ein Erinnerungsbuch aus schwerer Zeit zur Erbauung und Tröstung für die Katholiken
deutscher Zunge. Deutscher St. Michaels-Verlag Würzburg, Berlin und Wien, 1919,
Imprimatur 1. Juni 1917, 384 Seiten, mit vielen ganzseitigen Kunstblättern und
Textzeichnungen, großes Format: 33×23 cm; einsehbar: Stadtarchiv Meschede im Alten
Amtshaus Freienohl. – Das Datum „Imprimatur 1917“ bedeutet, dass die Texte um 1915,
1916 entstanden sind. Und „Imprimatur“ heißt: Kirchliche, Bischöfliche Druckerlaubnis.
Kein Grund zur Aufregung: Was heutzutage der „Regierungssprecher“ oder ähnliche
Aufgabenträger in die Öffentlichkeit bekannt geben dürfen, das bedeutet für unseren
Zusammenhang: Hinter den einzelnen Beiträgen steht hier wenigstens grundsätzlich die
katholische Kirche, hier: Bischöfe, Theologie-Professoren und mit dem letzten Zitat der
damalige Papst. Was noch zu beachten ist: der Rede-Schreib-Stil und die GedankenFührung von 1915 sind für 100 Jahre später sehr ungewohnt, teilweise gewiss auch etwas
peinlich. – Die Verfasser der einzelnen Beiträge werden hier ausgelassen. Dieser
Buchauszug ist kursiv geschrieben:

Der echte Soldatengeist
. Vor dem Abmarsch. Bewegten und gehobenen Herzens noch
ein letztes Wort, ein letzter Wunsch: behaltet und bewahret den echten Soldatengeist.
Worin besteht er? Kurz in drei Worten: Froh, Fromm, Treu! – Froh! Froh muss uns stimmen
die große, gerechte, heilige Sache, für die wir in den Kampf ziehen…Froh muss uns
stimmen unser gutes Gewissen, mit Gott und den Menschen versöhnt!…

Unsere Waffenschmiede im Gotteshaus. Inseln im sturmgepeitschten Meere des
Völkerstreites sind unsere Kirchen. Weiße Fahnen wehen von ihren Zinnen und Türmen,
als riefen sie in das Gewühl aufgeregter feindlicher Elemente: Hier ist Friede!… Hier aber
im Gotteshaus wollen wir Waffenschmiede und Waffenweihe halten. Am Altarstein lässt
sich so gut und so scharf das Schwert schleifen; an der heiligsten Opferstätte legt sich so
starke Kraft in die von den Vätern ererbte Wehr; aus Gottes Hand empfangen schützt die
Rüstung treu gegen feindliche Unbill…

Die deutsche Frau im Krieg
. Fest Mariä Himmelfahrt. …Ist auch im Christentum das
Weib in die segensvolle Stille des häuslichen Berufes zurückgekehrt, si schaffte doch
unermüdlich an der Wehr und Rüstung des Mannes, an seiner sittlich-religiösen Erziehung
für die Tage göttlicher Prüfung… Wenn die Mutter dem Knaben schon in frühen Tagen die
Großtaten des Volkes erzählt, wenn sie blättert im Siegesbuch des Vaterlandes, wenn sie
zeigt auf das Funkeln und Flammen der gewonnenen Schlachten, wie Feuer sprüht es da
aus des Knaben Augen, tiefer und heißer, bis er vor dich, deutsche Mutter, hin tritt und dich um den Segen bittet: Mutter, lass uns ausziehen in den Krieg für das Reich! Deutsche
Frau, das ist Kampf um deinen Sohn und ist gewonnene Schlacht….

Der Kinder Opfer. Ein Hirtenschreiben an die Kinder. … Ihr wisst, es ist Krieg –
schlimmer, blutiger Krieg! …Ihr selbst habt es miterlebt, wie sie daheim Abschied
genommen haben, und habt gesehen, wie sie hinaus gezogen sind gegen die Feinde,
mutig und mit klingendem Spiel. Aber ihr habt auch gesehen, wie manche aus dem Felde
heim gekommen sind, verwundet am Kopf, am Arm oder Bein, manche gar schwer
verwundet. Und ihr habt gehört oder gelesen, wie viele tapfere Soldaten in den blutigen
Kämpfen getötet sind und nun begraben liegen in fremder Erde. Sie kommen nicht mehr
zurück….

Am Massenheldengrab. …Blutleere Träume hat man sie genannt: sieh da, Millionen
kleiner Kreuze künden`s dir: Sie sind das Wirkliche, das selbst das Leben überwand….
Drum Dank euch, tapfere Söhne deutscher Mütter! Das Vaterland will euer Erbe ehren –
mehren!

Genau hier gehört eingeschoben ein für Freienohl wunderbares Ereignis:

Grauenhafte Kriegserfahrungen hat erlebt: Otto Kloke, geb. 29.11.1882, er war Soldat,
er fiel in der Schlacht am Hartmannsweiler Kopf in den Vogesen, „gleich hinter der
Grenze“, in einem kriegsüblichen Massengrab wurde er bestattet. Doch seine Kameraden
waren kurz danach überzeugt, dass ihr Otto Kloke noch gar nicht tot sein müsse, sie
schaufelten die dünne Erdschicht beiseite, tatsächlich: er lebte. Er wurde versorgt, im
Lazarett usw., usw. Er lebte ein neues Leben. Mit ganz neuen Erfahrungen. Otto Kloke
starb am 30.11.1962 und wurde auf dem Alten Friedhof beerdigt, gewiss mit vielen
Erinnerungen seiner Familie und Freunde.

Fortsetzung der Buchauszüge:

Heiliges Feuer. Weiter greift der gewaltige Kampf, in den wir gestellt sind. Er ist ein
Erlebnis für uns nicht nur als Deutsche, sondern auch als Weltbürger. Der Krieg ist ein
internationales, ein Welterlebnis… Ganz nahe geht uns aber eine andere Beziehung an,
die wichtigste in diesem gewaltigen Völkerringen, die Beziehung dieses Krieges zu Gott,
der Krieg als sittliches, religiöses Erlebnis … So ist der Ursprung dieses Krieges sittlich….
Vaterlandsliebe, Gemeinsinn…
Papst Benedikt XV. Am 28. Juni 1915 (15!) …Es ist Bruderblut, das über die Erde und
Meere dahinfließt. Die schönsten Gegenden Europas sind sind mit Leichen und Ruinen
übersät…. Man erwidere nicht, dass der unmenschliche Konflikt nicht ohne Waffengewalt
geschlichtet werden könne! Möge man von der gegenseitigen Zerstörungswut ablassen!

Zum Jahresschluss 1918 schreibt Pfarrer Gerwinn in seiner Chronik:: „Auf dem hiesigen
Friedhof haben ihre letzte Ruhestätte gefunden die Krieger“:

Josef Göckeler: Todestag: 26.05.1915 im Lazarett Mannheim; geb. 04.04.1885; Maurer,
verheiratet, 2 Kinder.

Josef Humpert: Todestag: 27.08.1917 Vereinslazarett Bethel; geb. 24.07.1894; Lehrer,
ledig.

Heinrich Neise, Todestag: 01.10.1917 Feldlazarett Laon 362; geb. 28.02.1892; Kaufmann,
ledig.

Fritz Heckmann, Todestag: 12.12.1918 Garnisonslazarett Gelsenkirchen; geb. 20.06.1893,
Fabrikarbeiter, ledig; er starb auf dem Rückzug an Lungenentzündung, der Krieg war vor 1
Monat beendet.

Alle in den Kriegen Gefallenen stehen in der Chronik „Freiheit Freienohl“ von Dr. Wolf.

Nach dem Ersten Weltkrieg:

Blick auf Freienohl-1921

Am 18. September 1921 bitten die Vereine:
Schützenbruderschaft, Krieger-Verein,
Gesangverein Cäcilia, Gesangverein Liedertafel,
Turnverein Pfarrer Gerwinn, die Vormittagsbeerdigungen auf den Nachmittag um 4 Uhr zu verlegen, weil „bei den Beteiligten
großer Verlust an Arbeitszeit und Verdienst
eintritt“. Allerdings: „Bei Frauen kann die
bestehende Ordnung aufrecht erhalten bleiben.“ Ergänzungen: Die Eisenbahnzüge kamen erst um oder eben nach ½ 4 Uhr in Freienohl an. Und die Männer mussten sich noch waschen, rasieren, umziehen… Die Beerdigungen fanden dann auch erst gegen 5 Uhr (17) statt, vielfach auch samstags Nachmittag und Sonntag.

Eigentlich kein Ersatz-Friedhof, auch wenn Sprache und Denkführung für Heutzutage etwas seltsam anmutet: Pfarrer Gerwinn: „Am Allerheiligen-Nachmittag, am 1. November 1923 fand die Einweihung des zum KriegerGedächtnis-Altar umgestalteten Josephs-Altar (im rechten Seitenschiff der Kirche) statt. Derselbe ist auf den Vorschlag des Professors der Kunstgeschichte an der Akademie zu Paderborn Dr. Alois Fuchs und der Werkstatt des Bildhauers Drolshagen in Paderborn hervorgegangen und stellt den Hl. Joseph als Patron der Krieger dar. Zur Linken des mächtigen Schutzpatrons kniet ein jugendlicher, feldmarschmäßig ausgerüsteter Krieger und empfiehlt sich vertrauensvoll seinem Schutz, während zur Rechten ein gefangener Krieger mit abgezehrten Zügen die gefesselten Hände zu ihm emporhebt. Auf zwei von den Seitenwänden der Altarnische aufgehängten Tafeln sind die Namen von 70 gefallenen Kriegern der hiesigen Gemeinde eingegraben. Die Feier, bei der der Pfarrer die WeiheRede hielt und an der sämtliche Vereine mit ihren Fahnen teilnahmen, wurde verschönert durch Gesangsvorträge der beiden hiesigen Gesangsvereine.“ (PfA PC)

November, Dezember 1925: Von einem französischen Arbeitskommando werden die vom Ersten Weltkrieg hier bestatteten französischen Soldaten und Kriegsgefangenen in ihre Heimat überführt.

Im März 1926: Zum Friedhofsgärtner wird angestellt Hubert Düring; jährliches Gehalt: 450 Mark. Wenn er aus Krankheitsgründen nicht kann, übernimmt sein Vater Caspar Düring den Dienst. (PfA A5)

1927: Freienohler Bürger beschweren sich in aller Öffentlichkeit: Manche NummernSchilder an den Gräbern verschwinden; sie werden bei Kindern gesehen. Pietätlosigkeit. Unsere Verstorbenen sind mehr als Knochen und Asche;
Danach, am 27. September 1927: Der Amtmann wendet sich an Pfarrer Gerwinn. Auf den
Gräbern fehlen wieder viele Nummern-Schilder. Der Totengräber sagt, diese werden
hauptsächlich von Kindern verschleppt, die spielen vielfach auf dem Friedhof. (PfA A5)

Am 16. Oktober 1929: Schreinermeister Clemens Feldmann fertigt ein neues Friedhofstor
an, aus Eichenholz, 354 Reichsmark. (PfA A5)

Am 25. Juli 1935: Der Freienohler Bürgermeister wendet sich an Pfarrer Gerwinn: „Die
Sauberkeit der meisten Grabstätten lässt viel zu wünschen übrig. Viele Gräber sind
überhaupt nicht gepflegt. Auch einzelne Wege sind im verwahrlosten Zustand. Im
Interesse des Fremdenverkehrs soll der Übelstand alsbald beseitigt werden.“ – Freienohl
war damals Luftkurort. (PfA A5)

Eigenartig ist Folgendes: Am 11. Juni 1937 geht es in Freienohl darum, Verkehrsschilder
an zu bringen an der Adolf-Hitler-Straße, so hieß in jener Zeit die heutige Hauptstraße,
auf der Höhe der – damals Neuen Schule (jetziges Feuerwehrhaus, 2009) – und dem
damaligen Kindergarten und der Nähschule im alten Schwesternhaus (jetzt Clive Wattison
/ Antik Lohmann). Hier hatten sich diese Verkehrsunfälle ereignet:

1. Das Kind Lehmenkühler war – vor mehreren Jahren – auf dem Weg zum Kindergarten
überfahren worden, tödlich verunglückt.
2. Die Nähschülerin Tönne aus Olpe ist vor der Nähschule überfahren worden, tödlich
verunglückt.
3. Das Kind der Witwe Flechtner ist tödlich verunglückt.
4. Das Kind der Witwe Humpert ist – gerade – aus dem Kindergarten kommend, vom
Kraftfahrzeug erfasst, eine Strecke mitgeschleift, schwer verletzt worden, stirbt wohl. –

Vornamen der Kinder und noch genauere Daten stehen in dieser Akte nicht. – Nun das
Eigenartige: In der Sterbeliste jenes Jahres, jener Jahre stehen diese Kinder nicht. Dabei
hätten sie auf dem – jetzt – Alten Friedhof bestattet sein müssen. Gewiss. Das Kind aus
Olpe wird in Olpe bestattet sein. Das Kind der Witwe Humpert kann am Leben geblieben
sein. Aber die beiden anderen Kinder: das Kind Lehmenkühler und das Kind der Witwe
Flechtner? Für behördliche Sterbelisten gab, gibt es keine anonymen Bestattungen. Wenn
auch nicht aktenkundig, sie Kinder werden auf dem Alten Friedhof beerdigt worden sein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945)

Am 4. Oktober 1947: Der Freienohler Amtsdirektor Hahne genehmigt die
Wiederinstandsetzung der Friedhofskapelle, „damit dieselbe vorläufig als Leichenhalle
benutzt werden kann“. (PfA A 5)

Am 28. Mai 1948: Martin Pautsch, der Freienohler Maler und Graphiker fertigt für die
Friedhofskapelle 2 Glasmalereien an: „Grablegung“ und „Auferstehung“. Seine Rechnung
an die kath. Gemeinde für die Entwürfe, Herstellung, Ausführung: 1.100,- RM. (PfA A5)

Am 4. Februar 1950 in der Zeitung „Westfalenpost“: Eine Friedhofserweiterung ist geplant.
Kurz darauf: die Erweiterung des Friedhofs ist unmöglich. Eine Neu-Anlage eines
Friedhofs auf dem Hohlknochen ist geplant.Sommer 1950: Ein altes Gräberfeld auf dem Friedhof an der Nordost-Ecke wird eingeebnet. (PfA PC)

Am 15. August 1950: Amtsdirektor Hahne genehmigt Pfarrer Dolle die Renovierung der
Friedhofskapelle. (PfA A5)

Am 7. Juni 1953 fand die 200-Jahrfeier unserer St. Nikolaus-Kirche statt, am 2.
Sonntag nach Ostern. Das feierliche Levitenamt zelebrierte der Ortspfarrer Dolle. Es
assistierten Pfarrer Georg Korte aus Dortmund St. Anna, der auch die Festpredigt hielt
(gebürtiger Freienohler; 1899-1992), sowie Vikar Wilhelm Reckhenrich (Freienohl: 19471951), Pfarrer Josef Noeke aus Berge (gebürtiger Freienohler: 1876-1968); nachmittags kam noch Pfarrer Alois Becker aus Drolshagen (gebürtiger Freienohler: 1903-1976). Sofort nach dem Hochamt war die Gefallenen-Ehrung am Ehrenmal… Daran beteiligten sich auch die Vereine mit Fahnen. (PfA PC)

Im Juli 1956 wurden die Gräber auf dem unteren Feld rechts eingeebnet und dieses Feld
neu aufgeteilt für weitere Beerdigungen. (PfA PC)

Am 16. April 1959 wird Pfarrer Dolle von Adolf Humpert vom Amt Freienohl gebeten, auch
von der Kanzel bekannt zu geben für die Einarbeitung in das Soldaten-Ehrenmal: die
Daten über die Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg (1. September
1939 bis 9. Mai 1945), auch über die inzwischen ortsansässigen Ostvertriebenen; bis zum
April 1959; später eingehende Mitteilungen können eventuell nicht mehr berücksichtigt
werden. (PfA A29)

Aus der Sterbeliste der Kirchenbücher, hier die letzten 6 Beerdigungen auf unserem
Alten Friedhof.

Die Beerdigungen fanden statt 3 bis 5 Tage nach dem Tod.

  • Maria Rocholl geborene Gördes: geboren 27.07.1892, gestorben 11.04.1980.
  • Olga Schwefer geborene Altenwerth: geboren 29.03.1892, gestorben. 19.06.1985.
  • Karl Geissler: geboren 19.12.1903, gestorben 18.04.1986.
  • Agnes Berta Jürgens geborene Kohle; geboren 27.02.1897, gestorben 26.03.1988.
  • Clementine Klauke geborene Kaulmann, geboren 25.07.111898, gestorben
  • 31.01.1989.- Elisabeth Blessenohl geborene Eickelmann; geboren 26.03.1905, gestorben 19.05.1990.

Wie unser Leben mit unseren Verstorbenen auf unserem Alten Friedhof weitergeht

Im Laufe der Jahre nach der letzten Beerdigung und nach der üblichen Stilllegung,
Einebnung der Gräber wurde überlegt, wie denn jetzige und zukünftige Freienohler diesen
Platz unzählbarer Erinnerungen würdevoll behalten kann.
Die zwei anderen Toten-Gedenkstätten in Freienohl, die eine am „Amt“ zum Gedenken an
die Gefallenen im Krieg 1870/1871, und die andere zwischen Schützenhalle und St.
Nikolaus-Schule zum Gedenken an die Gefallen im Ersten und Zweiten Weltkrieg (19141918, 1939-1945) auf unseren Alten Friedhof umzusetzen, wurde nicht für sinnvoll
gehalten; jeder lange Jahre eingehaltene besondere Platz in unserem Dorf hat auch
seinen besonderen Wert, seine besondere Würde. Einer anderen Idee gelang es nicht,
bekannt genug zu werden: den Friedhof zu einem Friedhofs-Dorfgarten werden zu lassen:
für die Freienohler Vereine aufgeteilt in unterschiedliche von ihnen gestaltete und
gepflegte Garten-Teile, mit Wegen in Form eines Labyrinths mit der Rümker Kapelle als
Ziel. Denn sie ist ein heiliger Ort und Raum, in dem unsere Vorfahren zur Eucharistiefeier,
zur Hl. Messe zusammengekommen waren, in der wir Heutigen zwischen den Bildern der
„Grablegung“ und „Auferstehung Jesu“ christliche Religion glaubwürdig wahrnehmen
können.

Fast 10 Jahre später, am 1. November 2009, am Fest Allerheiligen wurde nach dem
Hochamt in der Pfarrkirche ein ganz neues, ein ganz anderes Denkmal von Pfarrer
Hammerschmidt eingeweiht: ein Zusammensein, eine Einheit einer Säule inmitten einer
Spirale, gebildet mit einzelnen Grabsteinen.

Die Idee dazu wurde entwickelt vom Freienohler Kirchenvorstand. Er und
Gemeindemitglieder spendeten die Kosten, den Lohn für den jungen Steinmetzmeister
Markus Kramer aus dem benachbarten Olpe, der jetzt in Aahaus lebt.

Die Bedeutung dieses Denkmals lässt sich leicht und schnell mit Hilfe seiner vorrangigen
Bausteine: Spirale und Säule und ihrem Einssein im Internet mit zahlreichen kurzen und
ausführlichen Texten entdecken, selbstverständlich auch mit der Fachliteratur zur
Mythologie-Geschichte, zur Symbolik in der Tiefenpsychologie (etwa von Carl Gustav
Jung). Hier ganz knapp: In vorchristlichen und außerchristlichen Mythen, Religionen und in
mystischen Lebensformen der Gegenwart gehören Spirale (manchmal auch Schnecke)
und Säule zum Geheimnisvollen und Geheimnisoffenen Lauf von Sonne, Mond und
Sternen, zum Urleben vom weiblichen Schoß und männlichem Phallus. Wenn die Spirale
sich im Uhrzeigersinn dreht, soll dies den Beginn, das Offensein für das Leben bedeuten;
wenn die Spirale sich gegen den Uhrzeigersinn dreht, bedeuten sie das Ende, die
Rückkehr zum Ursprung. –

Das hier dargestellte Einssein von Säule und Spirale kann auch als Walten und Wehen
heiligen Geistes zum Beginn des neuen Lebens wahrgenommen werden. Die Grundidee
für dieses Denkmal soll das freilich nicht sein. – Gleich-gültiger Relativismus oder glaubwürdige Religion. Mit Schmunzeln sagt die Hl. Hildegard von Bingen: „Engel fliegen in
Spiralen, der Teufel nur geradeaus.“

Zum Glück ist auch unübersehbar und wohl auch unübergehbar auf unserem Alten
Friedhof unsere Rümker Kapelle. Mit ihrer Pflege zeigt unsere St. NikolausSchützenbruderschaft, wo ́s lang geht mit: Glaube – Heimat – Sitte.

4. Der Waldfriedhof, der Neue Friedhof.

Mit dem 1. März 1963 wird nach fast einjähriger Vorarbeit und vielen Erdbewegungen der
erste Teil des neuen Friedhofs, gelegen „Auf’m Hahn“, seiner Bestimmung übergeben.
Die erste Beerdigung erfolgte im März 1963 mit der bei einem Autounfall tödlich
verunglückten Frau Görgens, Giesmecke.

Der neue Friedhof ist im Besitz der politischen Gemeinde und obliegt ihrer Sorge. (PfA PC,
Pf. Hagemeyer, S. 53-55) – Ebenso der Alte Friedhof.

Heinrich Pasternak
Januar 2009 – Februar 2010
Katersiepen 11
59872 Meschede-Freienohl
E-Mail: H.u.B.Pasternak@t-online.de
Fotos und Layout: Karl-Heinz Kordel