Das Jugendzentrum „Blackwood Cottage“ 1972 bis 1975
@ Susanne & Stefan Droste
von Bernhard Kerstholt
Einleitung
Ende der 60er Jahre zeigte sich Freienohl fuÌr die Jugendlichen trostlos. Das Kino (heute Spielhalle) am Friedhofsweg – geschlossen. Die Jugendabteilungen der Ver-eine â vielfach erst in den Kinderschuhen. SchuÌtzenfest â nur einmal im Jahr mit Kettenkarussel, naja. In die GaststĂ€tten durften wir theoretisch mit 16 Jahren, das wurde freilich vielfach nicht geduldet, in Begleitung mit MĂ€dels dort nur absolute Fehlanzeige! Das alte Jugendheim in der Twiete â abrissreif. Figgen BuÌdchen â unspektakulĂ€r und zu sehr auf dem PrĂ€sentierteller. Zu Branko und Paula in den Balkan-Grill (heute i-punkt) – das Geld reichte hinten und vorne nie. Bei Hohmanns fuÌr 5 Pfennige eine Kugel Eis, vier Sorten – nur im Sommer. Zu Frau Berkenkopf in die Pommesstube an den Flipper â auf die Dauer auch nicht erbauend und jeder roch hinterher wo wir uns die Zeit vertrieben hatten.
Laut Musik hören was die alte Musiktruhe hergab – damals fuÌr Jugendliche nur in wenigen HĂ€usern und KellerrĂ€umen möglich, oder bei Pöttgens Klaus ihm alten HuÌhnerstall, ein Geheimtipp, fuÌrwahr schon gut ausgestattet und wenn man so will, der Ideengeber und Vorbote des BWC.
MobilitĂ€t â weitestgehend Fehlanzeige, meistens uÌber den Daumen per Anhalter vom StraĂenrand oder mit technisch fragwuÌrdigen Autos oder Mopeds der Ă€lteren Jungs nach Arnsberg oder Neheim â zu Hause durfte das keiner wissen.
AutoritÀre Strukturen allerorten, schwierig genug sich als Kind oder Jugendlicher in dieser Zeit einzupassen.
Basis
Mit Dietmar Baier, Wolfgang Klasmeier, Bruno Korte und Lothar Tschirmer aus Arnsberg (18 Jahre alt1) gehen 1969 vier Musik- und Disko-Begeisterte in Freienohl zum Pastor Bernhard Hagemeyer2. Sie tragen ihm einen besonderen Wunsch vor: âIn den KellerrĂ€umen3 des jetzt umgestalteten alten Schwesternheimes / Kinder-gartens möchten wir eine Jugenddisko fĂŒr Kinder und Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus der Taufe hebenâ. Ganz dicke Bretter mussten die vier beim Pfarrer Hagemeyer im Pastorat in der Twiete bohren.
Finanzielle Mittel existierten nicht, die Jungs (15 bis 18 Jahre alt) sprĂŒhten vor Ideen und der zunĂ€chst ablehnende Herr Pastor steuerte schlussendlich eine An-schubfinanzierung in Form eines nagelneuen VerstĂ€rkers vom Quelle-Versandhaus bei. Uff!
Eine Papiersammelaktion beschaffte das unbedingt benötigte Baugeld. Die WEPA in MĂŒschede kaufte das Altpapier fĂŒr gute 2.000 DM an. Wir strahlten mit groĂem Glanz auf den Augen.
Namensgebung
Geplant sollte das BWC nahezu so aussehen wie das Innere einer urigen BlockhĂŒtte, wie der Wohnraum eines einsamen Hauses im Wald. Diese Gestaltungsidee, entnommen aus dem damaligen StraĂenfeger und Durbridge-Krimi âDas Messerâ, 1971 vom WDR produziert und gesendet, gebar den Namen. Das Blackwood Cottage = SchwarzwaldhĂ€uschen war darin einer der beiden Hauptdreh- und Handlungsorte. Die Gruppe Can steuerte mit âSpoonâ den Titelsong zum Fernsehfilm bei und machte sich besonders bei der Jugend mit ihrem ungewohnten Musikstil be-kannt. Mit Hardy KrĂŒger als Spezialagent Jim Ellis spielte fĂŒr die Jugendlichen eine echt âcooleâ Type eine der Hauptrollen. De facto eine clevere Namensgebung, vom groĂen Francis Durbridge (â 1988) entliehen.
Bauphasen
Organisationstalent und eine gute Mannschaft mussten her. Der Helferkreis7 des BWC erweiterte sich und mit den neuen frischen finanziellen Möglichkeiten aus der Altpapiersammlung entstand nach und nach eine populĂ€re Diskothek fĂŒr Jugendliche.
Die vielen jungen Experten z.B. Wolfgang Klasmeier fĂŒr die Elektrik und Elektronik gaben dem Projekt schnell Formen und Gestalt, und das in einem rasanten Tempo. Klaus Pöttgen kam spĂ€ter als Bauplaner und Gestalter hinzu.
Die KellerrĂ€ume aus groĂen und schweren Bruchsteinen gemauert, die Befestigung von wandverbundenen Bauteilen folglich eine Herkulesarbeit und oft sehr schwierig. Muskelkraft (hier Friedhelm Arndt) die oft einzige Möglichkeit den Mauern zu Leibe zu rĂŒcken. Zu den vorhandenen Holzeinbauten wurden weitere hinzugefĂŒgt. Die neu aufgebrachten Wandverkleidungen bestanden aus Fichtenholzschwarten (unbesĂ€umte und sĂ€gerauhe, unbehandelte Holzbretter). Sehr viel Holz, offen ver-arbeitet, aus heutiger Sicht fĂŒr eine âDiskothekâ undenkbar â damals gebrĂ€uchlich.
Der Veranstaltungsraum im BWC maĂ 55 mÂČ und hatte einen leicht rechteckigen Grundriss. FĂŒr uns riesig groĂ, in Betrieb genommen schnell an seine Grenzen geraten mussten wir ihn mehrfach optimieren.
In mehreren Jahren/Bauabschnitten in der Fastenzeit und in den Ferien passierten im BWC Umgestaltungen und Modernisierungen. Das DJ-Pult und die GetrĂ€n-ketheke wechselten dabei einige Male die Standorte und wurden den festgestellten Erfordernissen angepasst. Das neueste DJ-Pult mit 1,60 Meter Höhe, eine echte Meisterleistung: entkoppelt vom Boden und den WĂ€nden gebaut, um Nadelspringer der Plattenspieler auf den Vinylplatten zu vermeiden. Um das fĂŒr die dortige Elekt-ronik und Elektrik gefĂ€hrliche Abstellen von GetrĂ€nken auf dem Pult zu verhindern, wurde dieses auf der Oberkante konvex aufgepolstert. Eine aktive BelĂŒftung garantierte den störungsfreien VerstĂ€rkerbetrieb. Livemusik (Schlager) gehörte in dieser Zeit noch fast zu jeder Tanzveranstaltung, altbacken, nicht so im BWC, die TanzflĂ€che im BWC dominant im Mittelpunkt positioniert. Der Platz fĂŒr eine BĂŒhne fehlte und das BWC entsprach dem neuesten Trend, exzellenter HiFi-Sound und fĂŒr den jeweiligen Titel moderiertes Licht per-fektionierten diese neue Freizeit in der Disko. Tanzen zu neuen Musikrichtungen entfacht Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre einen neuen Massenkult, die Musik infizierte und polarisierte das LebensgefĂŒhl, ein Aufbruch in eine neue Zeit.
Mit dem Einbau eines voluminösen Maico-Ventilators gelang nach hartem Ringen mit dem Bruchsteinmauerwerk die Installation in der Stirnwand der RĂ€ume und sorgte fĂŒr frische Luft und AbkĂŒhlung wĂ€hrend der Veranstaltungen.
Besonders im ersten Jahr des BWCs zeigten sich die BaumaĂnahmen oft erst machbar, wenn die vielen Material- und Maschinenzeitspenden vieler Ausbildungsbe-triebe das BWC-Team unterstĂŒtzten. In den Firmen befanden sich die jungen MĂ€n-ner vom Helferkreis als âStifteâ in der Ausbildung, erst 14-15 Jahre alt. Auf gut GlĂŒck wurde fĂŒr das BWC viel Material gesungen.
Betrieb
Eröffnung. Gespannt wie die Flitzebogen, alle nervös. Erlösung: Die ersten Veranstaltungen konnten vom Zuspruch der Jugendlichen her keineswegs besser laufen, dauernd volles Haus und sehr gute GetrĂ€nkeumsĂ€tze. Selbst GĂ€ste aus dem wei-teren Umkreis fanden sich ein, sehr viel mehr als herbeigewuÌnscht, keiner im BWC-Team hatte sich das ertrĂ€umt. Die Jugendlichen haben uns die Bude eingerannt, wir ein starkes Echo erhalten, alle BWCler stolz wie Bolle. Zu jeder Veranstaltung das BWC bereits nach 15 Minuten voll, geduldiges warten folglich fuÌr viele angesagt bis die ersten GĂ€ste nach Hause mussten. Das BWC erreichte schnell den Kultstatus.
Die hohe groĂe Sitzbank an der Stirnseite verschaffte den Jungs den Ăberblick, wo sich die besten Tanzprinzessinnen gerade aufhielten. Das UV-A-Licht (Schwarzlicht) brannte und erbrachte neue körperliche Ansichten, die Bekleidung der Teenager alsbald darauf ausgerichtet. Nicht geplant, entstand in einem Bauabschnitt eine Fummel-Ecke fuÌr die anatomischen Erkundungen am anderen Geschlecht. Das dortige âBeleuchtungsproblemâ haben wir nicht in den Griff bekommen und es ergo schnell auf sich beruhen lassen.
An ihre Grenzen geriet sehr schnell die Musiktechnik. Der Quelle-VerstĂ€rker und die schmalbruÌstigen Lautsprecherboxen zeigten sich nach der Feuertaufe als eher tauglich fuÌr eine Kellerbar. Diese Achillesferse musste schnell behandelt werden. ZuverlĂ€ssige Technik bedeutete damals teuer und nicht in jedem Ort in groĂer Auswahl verfuÌgbar. Das HiFi-Studio ETASCO in Bachum (Neheim) konnte uns helfen. Eine Hitachi IA-1000 Vor- und Endstufenkombination mit doppelter MOS-FET BestuÌckung und 2 x 55 Watt an 8 Ohm fuÌr fast 1.000 DM bedeutete die Lösung. Vier starke Lautsprecher dazu und die Sorgen mit den MusikausfĂ€llen schnell passee. Der Hitachi-VerstĂ€rker bekannt als das ausgewiesene Arbeitstier und ReferenzgerĂ€t fuÌr zahlreiche Tests in einschlĂ€gigen internationalen Magazinen und Studios ein sehr guter Kauf. Und fruÌh zeigte sich, der Lötkolben und Wolfgang Klasmeier bekamen viel Arbeit ab, schon damals ist die elektronische Technik einer Diskothek nicht vergleichbar mit der Installation im Wohnzimmer.
Ein weiteres unvermutetes Problem trat hinzu. Bei fast jeder dieser ersten Veranstaltungen maĂen sich einige junge HeiĂsporne aus Freienohl und/oder einem westlich gelegenen Nachbarort in ihren KrĂ€ften. Berni Kerstholt beendete kurzerhand in Bud Spencer-Manier die meisten Raufereien. Nach schuldhaften Streitigkeiten mit anderen Besuchern zeigte sich die EinfuÌhrung von Zutrittssperren zum BWC bald als hochwirksame MaĂnahme. Ein oder mehrere Wochenende(n) ohne mit Freunden im BWC-Keller in Freienohl zu sein, belasteten die persönliche Freizeit betrĂ€chtlich. Insbesondere nachdem wir mit dem Oeventroper Beatkeller (BKO) in Kooperation handelten: Sperre fuÌr beide Keller, BWC und BKO, egal wo es zu Vorkommnissen kam.
Die Veranstaltungen im BWC starteten um 17 Uhr, jeweils wechselnd von Samstag zu Sonntag und zuruÌck, ebenso die Veranstaltungen im BKO in Oeventrop, ohne zu konkurrieren. Um 22 Uhr endeten die Veranstaltungen im BWC, der letzte Bus Richtung Arnsberg fuhr 20 Minuten spĂ€ter, die Ruhe fuÌr die Anwohner kehrte allmĂ€hlich zuruÌck. GluÌcklich im Vorteil die auswĂ€rtigen Jugendlichen, deren Mama FuÌhrerschein und Auto besaĂen, weil auĂergewöhnlich in diesen Jahren.
Bis 20 Uhr durften Jugendliche im Alter von 14 bis 15 Jahren im BWC Gast sein, Ă€ltere Jugendliche von 17 bis 22 Uhr. Der Eintritt kostete 99 Pfennige, weil ein höherer Betrag Pauschalabgaben an die GEMA bewirkt hĂ€tten. An der Eintrittskasse hieĂ es die HuÌrde zu nehmen: Kassierer und BuchfuÌhrer Berni Kerstholt wollte einen ungefĂ€lschten Ausweis sehen. Manches Mal wurde einerseits gut getrickst, andererseits auch schon einmal ein Auge zugedruÌckt, oder beides kam irgendwie zusammen. KrokodilstrĂ€nen flossen jede Woche, ein listiger Trick der MĂ€dchen. Insgesamt das Ăbliche halt, wie beim Schummeln um ins Arnsberger Kino mit âFSK ab 16 freigegebenâ zu kommen.
An der Kasse gab es fuÌr den bezahlten Obolus den begehrten BWC-Stempel auf den HandruÌcken. Mit den Farben blau und rot wurden die Befugnisse unterschieden. Rot fuÌr bis 15-jĂ€hrige hieĂ kein Alkohol, Rauchverbot und Abschied um 20 Uhr. Blau bedeutete das volle Programm, mit Biergenusserlaubnis, mit Raucherlaubnis und Gast bis zum Ende um 22 Uhr.
Der fette BWC-Stempel hielt mindestens bis Montag und zeigte klar, dass man am Wochenende dabei gewesen war. Alkohol gab es begrenzt, 1 kleine Flasche Bier fuÌr Jugendliche ab 16 Jahren das Machbare. Nicht jede(r) Besucher(in) trank Alkohol â der wurde gewissermaĂen âverschobenâ. Alkoholleichen oder alkoholauffĂ€llige GĂ€ste gab es nur vereinzelt, resultierend aus Schmuggelware (mitgebrachter Schnaps in kleinen Flaschen). Alkoholisierte Ankömmlinge bekamen keine Möglichkeit, ins BWC zu kommen. Gleichzeitig 100 Jugendliche durften maximal im BWC feiern, klönen und tanzen. Ăber 300 Besucher zahlten zur Sonderveranstaltung zum Karneval Eintritt, hervorgerufen durch stĂ€ndiges Kommen und Gehen.
Beaufsichtigung
Beaufsichtigt hat unser BWC der Freienohler Vikar Gerhard Cicholas5. Mit dem konnten wir nicht so wirklich etwas anfangen, sehr schwer fĂŒr uns zu hĂ€ndeln der Herr Vikar. Eifrig nachgezĂ€hlt hat er immer; wie viele Besucher sind denn hier, wieviel Bier ist getrunken worden. Ist die Musik nicht zu laut?
Die Ermittlung der momentanen GĂ€stezahl, wegen der stĂ€ndigen Bewegung der tanzenden Menge eine Sisysphusarbeit, ergab immer ein vages Ergebnis. Einige hilfsbereite MĂ€dels nahmen den Vikar freundschaftlich in den Arm, was ihn ĂŒberhaupt nicht entzĂŒckte und er ĂŒberstĂŒrzt das Weite suchte. Die LautstĂ€rke wurde zurĂŒckgeregelt â nachdem der Plattenaufleger (DJ) ein Lichtsignal bekam, weil, der Vikar ist hier. So Gott wollte, machte die Geistlichkeit unsere Spielchen mit und ging unserer Betriebsgestaltung nie voll auf den Grund. ZuverlĂ€ssig ab 20 Uhr verweilte der Herr Vikar zu Hause und schaute die Tagesschau. Gegen 22 Uhr kam unser Seelsorger zurĂŒck, beobachtete jede Minute seine Uhr damit wir beizeiten endeten, drĂŒckte sich abschlieĂend die Tageskasse an die Brust und schritt damit hurtig in die Twiete.
Auch Mitglieder der kirchlichen Gremien oder Aufsicht fĂŒhrende Eltern zeigten sporadisch PrĂ€senz. Alle GĂ€ste benahmen sich augenblicklich selbstverstĂ€ndlich vorbildlich, indessen hat die gespielte progressive Rockmusik die Aufenthaltsdauer der Kundschafter im BWC zeitlich maĂgeblich limitiert.
Die Hausmeister, Familie Walenciak4, und die Nachbarschaft hieĂen unsere neuen akustischen Errungenschaften logischerweise kaum herzlich willkommen. Wir haben versucht zu dĂ€mmen was damals realisierbar schien. Den AuĂenbereich mit den Besuchern konnten wir nicht leiser stellen. Da blieb oft nur gut Wetter machen und die Hoffnung auf viel VerstĂ€ndnis.
Zunehmend oft musste Berni Kerstholt auf Einladung der kirchlichen Gremien den Gang nach Canossa antreten. Jedes Mal stand das BWC am Pranger Die Gastgeber diskutierten mit ihm schlecht und recht, ĂŒblicherweise beschwerlich von unserer Arbeit zu ĂŒberzeugen, bestanden konsequent auf bei Jugendlichen unpopulĂ€ren Ănderungen. Alle Register mussten gezogen werden, haltbar bis zur nĂ€chsten Sitzung, eine Friedenspfeife zu rauchen schien von vornherein dauerhaft ausgeschlossen.
Musikprogramm
Konservative Musik in Form von deutschen Schlagern, da ruÌmpften nach den 68ern zahlreiche junge Leute die Nase und klassifizierten diese auf von vorvorgestern. Musikalisch pendelten die BWC-DJs hauptsĂ€chlich zwischen dem facettenreichen progressiven Rock, zuweilen auch Krautrock und Mainstream-Beat. Deutsch gesungene Titel kamen fast nie auf die Teller.
Zwischen 17 und 19 Uhr spielten im BWC die populÀren Mainstream-Hits aus den 60er Jahren und denen aus Anfang der 70er Jahre, viel Fox und Beat.
Ab 20 bis 22 Uhr lief progressive Rockmusik, Psychedelic Rock und Hardrock fuÌrs fundierte Publikum. Gespielt wurden vorzugsweise Gruppen und Solisten wie Uriah Heep, Deep Purple, Nazareth, Steamhammer, Golden Earring, Procul Harum, Jane, The Animals, John Mayall, Edgar Broughton Band, Herd, Pink Floyd, Savoy Brown, The Rolling Stones, Colosseum, The Doors, Blue Oyster Cult, Emerson Lake and Palmer, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Spooky Tooth, Santana, Alice Cooper, Frumpy, Jefferson Airplane, Sweet Smoke, Amon DuÌuÌl, The Moody Blues, Eloy, Badfinger, NEU!, The Who, Guru Guru, Ekseption, Earth & Fire, Wonderland, Iron Butterfly, Black Sabbath, Birth Control, Jethro Tull, Steppenwolf, Epitaph, Free, Hawkwind, Hardin & York, Eric Clapton, Ram Jam, Embryo, Beggars Opera, Cream, und, und, und.
Ungewohnt fuÌr diese Zeit die TitellĂ€nge der ausdrucksstarken Kompositionen der Rockmusik, oft auf einer ganzen Langspielplattenseite befindlich mit bis 17 Minuten Spieldauer (Iron Butterfly mit In-A-Gadda-Da-Vida und dem darin sehr ausgedehnten und unuÌblichen dreiminuÌtigen Schlagzeugsolo). Viele Titel schafften es in den Folgejahren vom Untergrund in die populĂ€ren Charts, beispielhaft dafuÌr Deep Purple mit Smoke On The Water.
Die neuen Schallplatten wurden bei Radio Karbe in Arnsberg, bei Radio Kampschulte in Neheim, bei Saturn in Köln und bei âdie Schallplatteâ in Dortmund bei dem musikalisch sagenhaft informierten FrĂ€ulein Bolt besorgt. Einige SpezialitĂ€ten gestalteten sich als Ă€uĂerst schwierig zu beschaffen, daher wurden stĂ€ndig auch die weiten Fahrten erforderlich. Selbst in den gröĂten StĂ€dten fanden wir oft nur ein paar LPs mit unserer favorisierten Musikrichtung im PlattenfachgeschĂ€ft direkt kĂ€uflich. Und Unbekanntes musste zuerst dort zur Probe gehört werden. Kein hier empfangbarer Radiosender spielte damals âunsereâ Rockmusik. Musikalische Inspirationen steuerte die Diskothek JARA in Dortmund bei. Oder die vielen Neuerwerbungen, von den GĂ€sten mitgebracht, vom DJ gleich auf den Teller gebracht. Oder eben die Geheimtipps vom FrĂ€ulein Bolt. Eine damals pikante Besonderheit: Der Titel Je tâaime wurde seinerzeit nur unter dem Ladentisch verkauft. Einige der heute ca. 40-jĂ€hrigen verdanken ihm ihr Leben ;-).
Zahlreiche LP-Plattencover zeigten echte Meisterwerke. Der Plattenstapel wurde neu sortiert, wenn der Vikar im Haus verweilte. Deep Purples DebuÌt-Album mit dem Kunstwerk âMusikalische Hölleâ von Hieronymus Bosch, der als Rakete startende Kirchturm auf Ramases / Space Hymns und Savoy Brown / Hellbound Train, alles nach hinten, diese PlattenhuÌllen mochte der Vikar nicht sehen
Veranstaltungsstruktur
Die DJs im BWC in wechselnder Besetzung hinter dem Pult und an den Tellern:
Dietmar (Schimmel) Baier, Peter (Pico) Jungnitsch, Christian (Chris) Seydewitz, und gewiss viele andere Jungtalente.
Mit zwei Lenco L75-Plattenspielern ausgestattet mit SHURE-Abtastsystemen, Mischpult, Mikro und VerstĂ€rker startete die heiĂe Phase um 18 Uhr. HeiĂ auch, weil der Kopf des DJs, fast auf Deckenhöhe, alles uÌberblickte und dabei nach kurzer Betriebszeit den höchsten Temperaturen ausgesetzt, sich anstrengen musste. DaruÌber hinaus die von Wolfgang Klasmeier gebaute Lichtanlage bedienen. Vier FlĂ€chenschalter, mit Federn umgebaut zu Tipptastern fuÌr die Flash-Lichteffekte (Philips Flood-Strahler), Lichtorgel, Blubber (Ălscheibenprojektor), Mischpult, Mikro auf, wortreiche Moderation der Titel mit Informationen zum Titel und Interpreten, leicht zeitversetzt den Lift am Lenco absenken – die Rille im Vinyl treffen – und den Mischer hoch, Mikro aus. DJ in dieser Zeit zu sein, bedeutete MehrprozessfĂ€higkeit (Multitasking) auszufuÌhren. In Summe zeigten junge Profis ihr eindrucksvolles Ge-schick. Das BWC prĂ€sentierte sich optimal ausgestattet, oft sehr viel besser als diverse gewerbliche Diskotheken in dieser Zeit.
Hier eine handvoll SpezialitÀten aus den Musikbereichen:
Joyce Miller mit L.O.D. (Love On Delivery) [Girl-Beat bis zum ich kann nicht mehr]
Deep Purple mit Child In Time (Schimmels Auftritt bis zum Fast-Exitus)
Ramsey Lewis Trio mit Wade In The Water (Opener um 17 Uhr)
The Ventures mit Hawaii-Five-0 (Starter um 18 Uhr und auch zur Hitparade)
The Trashman mit Surfinâ Bird (Das schaffte nicht jeder, mitmachen die Pflicht)
The Spotnicks / Gordon Lightfoot mit If You Could Read My Mind (22 Uhr, grelles Licht an, Ende jeder Veranstaltung)
Um 19 Uhr startete die Hitparade die mittels Abstimmzettel wöchentlich neu er-mittelt wurde, zuverlĂ€ssig ausgewertet von Angelika Heinze (Klasmeier). Gegen den ewigen Sieger schien kein Kraut gewachsen: Uriah Heep mit Lady in Black. Spannend wurde es, wenn wöchentlich die drei Preise aus allen Tipps und WuÌn-schen zur Hitparade ausgelost wurden mit den oft gluÌcklichen Gewinnern.
Extras
Besondere Veranstaltungen erlebten wir beim Kinderbeat. Im 4-Wochen-Abstand machten sich die jungen TĂ€nzerinnen und TĂ€nzer (bis 14 Jahre alt) sonntags von 14 bis 17 Uhr im BWC lautstark bemerkbar und forderten ihre eigenen Hits. Dort ĂŒber alle Jahre unangefochtener Plattenwunsch Nr. 1: âCoconuts from Congovilleâ von den Soulful Dynamics. Mehrmalig, durchweg drei Mal in einer Stunde drehte der Titel auf dem Plattenteller. Der DJ sah oft nur die Fingerspitzen mit denen sich die JungtĂ€nzer(innen) am ĂŒberhöhten DJ-Pult hochzuziehen versuchten. Der hĂ€ufigste Plattenwunsch definitiv unmöglich zu ĂŒberhören: kurz und knapp âCoconutsâ, die funkelnden Kinderaugen unĂŒbersehbar, durchweg fĂŒr uns alle Ă€uĂerst beeindruckend, mit Gold nicht aufzuwiegen. Mehr ging nicht!
Einen Versuch war es wert, unsere einzige Veranstaltung ohne Alkohol und Cola, Fanta und Wasser. Vom Hausmeister Walenciak geliefert, brachten wir eine Veranstaltung mit Molkereiprodukten ĂŒber die Zeit. Laute Proteste gab es nicht, aber auch kein Verlangen nach einer Folgeveranstaltung. Guten Willen hatten wir bezeugt.
Montags wurden der Veranstaltungsraum und die sanitÀren Anlagen gereinigt, die pure MÀnnerwirtschaft prÀsentierte sich. Kanisterweise reichlich Meister Proper und noch mehr Wasser, per Schrubber und Flitsche verarbeitet, glÀnzte das BWC nach zwei Stunden immer wieder picobello.
Applaus
Die ĂberschĂŒsse finanzierten die Kosten fĂŒr die technischen Einrichtungen und die fĂŒr Umbauten und Erneuerungen im BWC. Ebenso wurden aus den BWC-Erlösen die weitere kirchliche Jugendarbeit und die Ministrantengruppe in Freienohl unterstĂŒtzt. Ein Betriebsausflug des BWC fĂŒhrte den Helferkreis nach Graach zur Mosel zum Weingut Pfeiffer. Ein Weinverkauf fand deshalb spĂ€ter im BWC nicht statt.
UnzÀhlige wertvolle Freundschaften und Partnerschaften die sich heute noch bewÀhren begannen im BWC, besonders viele zum westlichen Nachbarort, gegen den damaligen einseitigen politischen Trend bestimmter dortiger Lokalpolitiker wegen der kommunalen Neugliederung. Persönliche BWC-Verbindungen auf die alle stolz sein können.
Finale
Im Jahr 1975 kam das Ende fuÌr uns alle völlig uÌberraschend. Urplötzlich standen die ĂberschuÌsse dem BWC nicht mehr zur VerfuÌgung. Beantragte Neuanschaffungen (u.a. Flashlight) fehlinterpretierten externe RĂ€te technisch vollkommen falsch und unzutreffend. Das GerĂ€t wurde (1975!) von ihnen als Nacktscanner bezeichnet, da hatten die Meinungsmacher nicht genau genug hingeschaut, Science-Fiction pur in Freienohl.
Wir haben den Braten gerochen, wir sollten nicht mehr. David gegen Goliath.
Licht und Ton aus! Ohne Zugabe.
Das BWC wurde von Knall auf Fall Geschichte.
Danke
Dennoch ein groĂes Dankeschön an Pastor Hagemeyer, Vikar Cicholas und an die katholische Kirchengemeinde Freienohl fuÌr vier Jahre uns gestattete Jugendarbeit.
Unser Lob und unser Dank gilt maĂgeblich unseren unzĂ€hlbaren GĂ€sten, die uns dauerhaft besucht haben, die sich perfekt verhalten haben, die ihre Verbundenheit zeigten, die uns unterstuÌtzt haben wenn Not an Mann vorkam, oder die ihre Schall-platten mitbrachten.
Nachlese
Vierzig Jahre spÀter, 2015 besuchte ich Freunde, die Familie Wattison6.
Nun, um ganz ehrlich zu sein, der Wunsch zum Gang in den Keller hat mich auĂerordentlich beschĂ€ftigt.
Cate konnte Gedanken lesen und bevor ich loslegte, hat sie mir diesen groĂen Wunsch erfĂŒllt.
Und dann, im Keller, im alten BWC:
NĂŒchternheit. Das BWC ist Historie, auch rudimentĂ€r nicht mehr zu erkennen, baulich vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitet, Stille, kein Revival möglich.
Ich habe es trotzdem gehört:
Steamhammer â Juniorâs Wailing.
Volle LautstÀrke, zwei/drei Tage lang im Ohr, alles nur im Geist, wie ein Tinnitus.
Einmal hineinhören: jetzt auch bei dir im Ohr?
Unvergessen: BWC.
Anhang
© Bernhard Kerstholt – V1.0/2017
Alle Personen, Beschreibungen und Handlungen nach bestem Wissen und nach Befragungen.
Sollte sich jemand in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fĂŒhlen bitte ich um Nachricht. Der Bericht wird dann angepasst.
PS: Wir verfĂŒgen ĂŒber keine Fotos. Gern wĂŒrden wir diese hinzufĂŒgen.
Kontakt: kerstholt@gmx.de Telefon: 0151 2222 7901 oder 02903 7909
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1 VolljÀhrigkeit
Ab 1975 mit 18 Jahren, davor mit 21 Jahren. Wichtig damals einen âgroĂenâ dabei zu haben.
2 Bernhard Hagemeyer, Pfarrer in Freienohl von 1960 bis 1983, â 1986
Gestaltete das alte Schwesternheim / den alten Kindergarten zum neuen Ver-sammlungsraum fĂŒr die kirchlichen Vereine um.
3 KellerrÀume des alten Schwesternheimes/Kindergartens
Die KellerrĂ€ume des alten Schwesternheimes (an der HauptstraĂe 46 gelegen, Ecke Katersiepen) im 2. Weltkrieg u.a. als Luftschutzbunker genutzt. SpĂ€ter dienten Teile des Kellers als FunktionsrĂ€ume des Kindergartens, vielen Jugendlichen um 1970 aus ihren Kinderzeiten bei Tante Olga gut bekannt.
4 Hausmeister, Ehepaar Walenciak
Unser FrĂŒhwarnsystem und unsere FĂŒrsprecher! Bevor Beschwerden bei den kirchlichen Gremien landeten, wurden wir von ihnen informiert und bekamen somit Gelegenheit, unsere Sichtweise darzustellen und/oder zu reagieren. Frau und Herr Walenciak haben uns oft den Königsweg bereitet.
BWC â Blackwood Cottage â 1972 bis 1975
15
5 Gerhard Cicholas, 1969 bis 1975 Vikar in Freienohl, â 2015
Betreute und beaufsichtigte unser BWC.
KĂŒmmerte sich wĂ€hrend seiner Zeit in Freienohl ausgeprĂ€gt um die Integration der portugiesischen Gastarbeiter. Gerhard Cicholas missionierte zuvor in Brasilien.
6 Clive und Cate Wattison
Heutige Besitzer der Immobilie Hauptstr. 46 / Ecke Katersiepen.
ErzĂ€hlt ihnen davon, was frĂŒher im Schwesternheim/Kindergarten und BWC statt-gefunden und sich dort ereignet hat. Wattisons sind sehr daran interessiert, mehr zur bewegten und umfangreichen Geschichte ihres Hauses zu erfahren.
7 Helferkreis:
Friedhelm (Friedel) Arndt
Dietmar (Schimmel) Baier
JĂŒrgen (MĂ€uschen) Heutling
Peter (Pico) Jungnitsch
Bernhard (Berni) Kerstholt
Wolfgang (Glasi) Klasmeier
Bruno Korte
Klaus Pöttgen
Walter (Twinky) Pöttgen
Burkhard (Schampus) Schirp
Werner Schirp
Wolfgang (Porky) Schirp
Ulrich Schreiner
Rudolf Schulte (Wenholthausen)
Christian (Chris) Seydewitz
Manfred (WizzÀcker) Wiesemann
